Krypto-Zinsen
🔴 Experte

Recursive Lending DeFi: Rendite multiplizieren durch Looping

Supply → Borrow → Supply → Borrow. Recursive Lending (Looping) ist eine der mächtigsten DeFi-Strategien: Du multiplizierst deine Rendite durch gehebelte Lending-Positionen. Aus 3% APY werden 12% — aber das Liquidationsrisiko steigt mit jedem Loop. Dieser Guide zeigt dir genau, wie es funktioniert, was du verdienst und wann es gefährlich wird.

⏱️ Lesezeit: ~18 Minuten📊 Stand: Februar 2026🔴 Für erfahrene DeFi-Nutzer

Was ist Recursive Lending? — Supply → Borrow → Supply → Borrow

Recursive Lending (auch „Looping" genannt) ist eine DeFi-Strategie, bei der du ein Asset als Collateral hinterlegst, dagegen dasselbe oder ein ähnliches Asset leihst und den geliehenen Betrag erneut als Collateral hinterlegst — wieder und wieder. Jeder Loop vergrößert dein effektives Exposure und damit deine Rendite.

Das Prinzip ist simpel: Auf Lending-Protokollen wie Aave V3 verdienst du Supply-Zinsen auf dein hinterlegtes Collateral. Gleichzeitig zahlst du Borrow-Zinsen für das geliehene Asset. Wenn die Supply-Rate höher ist als die Borrow-Rate — oder wenn zusätzliche Protokoll-Rewards (Token-Incentives) die Differenz ausgleichen — lohnt sich das Looping.

In der Praxis funktioniert das so: Du hinterlegst 10 ETH auf Aave. Bei einem Loan-to-Value (LTV) von 80% kannst du 8 ETH leihen. Diese 8 ETH hinterlegst du erneut als Collateral. Jetzt kannst du gegen die 8 ETH weitere 6,4 ETH leihen. Diese hinterlegst du wieder... und so weiter. Nach 5 Loops hast du aus 10 ETH ein Gesamt-Supply von ~33 ETH gemacht — und verdienst Supply-Zinsen auf alle 33 ETH.

Recursive Lending wird oft mit einem Hebel verglichen — und das ist auch mathematisch korrekt. Ein 5-facher Loop bei 80% LTV entspricht ungefähr einem 3,3x Hebel auf deine Supply-Position. Der entscheidende Unterschied zu klassischem Margin-Trading: Beim Looping mit demselben Asset (z.B. ETH supplyen und ETH borrowen) hast du kein Liquidationsrisiko durch Kursänderungen — solange du dasselbe Asset auf beiden Seiten hast.

💡 Looping in einem Satz

Recursive Lending multipliziert deine effektive Supply-Position durch wiederholtes Hinterlegen und Leihen — du verdienst Supply-Zinsen auf ein Vielfaches deines tatsächlichen Kapitals, zahlst aber auch Borrow-Zinsen auf den geliehenen Teil.

Warum Loopen? — Rendite multiplizieren durch Leverage

Der Hauptgrund für Recursive Lending: Du kannst eine moderate Basis-Rendite von 2–4% auf 8–15% effektiv steigern, indem du dein Exposure vervielfachst. Das funktioniert immer dann, wenn die Netto-Rendite pro Loop positiv ist.

Die Mathematik dahinter ist straightforward: Wenn du auf Aave 3% Supply-APY für ETH bekommst und 2% Borrow-APY zahlst, ist dein Netto-Spread pro Loop +1%. Bei 5 Loops hast du ~3,3x Exposure, und deine effektive Rendite steigt von 3% auf ca. 3% + (3,3 × 1%) = ~6,3% — mehr als doppelt so viel wie ohne Looping.

In der Realität ist die Rechnung oft noch attraktiver, weil viele Protokolle zusätzliche Token-Rewards für Supply UND Borrow vergeben. Auf Aave V3 auf Arbitrum beispielsweise erhältst du ARB-Token-Rewards sowohl fürs Supplyen als auch fürs Borrowen. Diese Rewards können die effektive Rendite nochmals um 3–8% steigern — und jeder Loop multipliziert auch diese Rewards.

Ein weiterer Use Case für Recursive Lending: Leverage auf ein Asset ohne Kursrisiko. Wenn du stETH (Lido Staked ETH) als Collateral hinterlegst und ETH leihst, hast du eine gehebelte Staking-Position. Beide Assets tracken denselben Preis (ETH), sodass dein Liquidationsrisiko minimal ist — aber du verdienst die stETH-Staking-Rendite (~3,5%) auf ein Vielfaches deines Einsatzes.

LoopsEff. ExposureSupply APY (3%)Borrow Cost (2%)Netto APY
0 (kein Loop)1,0x3,0%0%3,0%
11,8x5,4%1,6%3,8%
32,95x8,9%3,9%5,0%
53,36x10,1%4,7%5,4%
7 (Maximum)3,56x10,7%5,1%5,6%

Basierend auf 80% LTV pro Loop · Die Rendite konvergiert ab ~5 Loops · Höhere Loops bringen immer weniger Zusatzrendite

🎯 Wann lohnt sich Looping am meisten?

Looping ist am profitabelsten, wenn (1) die Supply-Rate deutlich über der Borrow-Rate liegt, (2) zusätzliche Token-Rewards vergeben werden, oder (3) du gleichartige Assets loopst (stETH/ETH, wstETH/ETH) und die Staking-Rendite hebeln willst. In Phasen ohne Token-Incentives und bei engem Spread lohnt sich Looping oft nicht.

Schritt-für-Schritt: ETH Looping auf Aave V3

Hier zeigen wir dir den kompletten Prozess am Beispiel von wstETH/ETH Looping auf Aave V3 (Arbitrum). Dies ist einer der beliebtesten Loops, weil wstETH und ETH eng korreliert sind und das Liquidationsrisiko dadurch minimal ist.

1Vorbereitung: Wallet & Assets

Du brauchst: Ein Web3-Wallet (MetaMask), ETH auf Arbitrum (für Gas-Fees, ~2€ reichen), und dein Kapital in wstETH. Kaufe wstETH über Lido oder tausche ETH → wstETH auf einem DEX wie Uniswap. Für dieses Beispiel nehmen wir 10 wstETH (~25.000€).

2wstETH auf Aave V3 supplyen

Gehe zu app.aave.com, wähle Arbitrum als Netzwerk und klicke auf „Supply". Wähle wstETH und hinterlege deine 10 wstETH. Aktiviere wstETH als Collateral (Schalter auf „On"). Du verdienst jetzt sofort Supply-APY plus die inhärente Staking-Rendite von wstETH (~3,5%).

3E-Mode aktivieren (wichtig!)

Aktiviere den „E-Mode" (Efficiency Mode) für ETH-korrelierte Assets auf Aave V3. E-Mode erhöht dein LTV von 80% auf 90% für Paare wie wstETH/ETH, weil beide Assets eng korreliert sind. Das ermöglicht mehr Loops und einen höheren effektiven Hebel bei gleichem Risiko. Du findest E-Mode unter „Your Borrows" → „Enable E-Mode".

4ETH borrowen (Loop 1)

Klicke auf „Borrow", wähle ETH und leihe dir 80-85% deines Collateral-Werts in ETH (bei E-Mode bis zu 90%). Bei 10 wstETH und 85% LTV = ~8,5 ETH. Achte darauf, deinen Health Factor über 1,5 zu halten für einen Sicherheitspuffer.

5Geliehene ETH → wstETH swappen und re-supplyen

Tausche die geliehenen 8,5 ETH über Uniswap oder 1inch in wstETH. Hinterlege die wstETH erneut auf Aave als Collateral. Dein Gesamt-Supply ist jetzt ~18,5 wstETH bei 10 eigenen.

6Loops wiederholen (3-5 mal)

Wiederhole Schritt 4 und 5: Borrowe ETH gegen dein neues Collateral, tausche in wstETH, supplye. Jeder Loop vergrößert deine Position, aber der Zuwachs wird kleiner (8,5 → 7,2 → 6,1 → ...). Nach 5 Loops hast du typischerweise ein 3-4x Exposure erreicht.

Position überwachen

Setze dir einen Health Factor Alert (z.B. über DeFi Saver) und überprüfe regelmäßig, ob die Supply-Rate weiterhin über der Borrow-Rate liegt. Wenn sich der Spread umkehrt, solltest du die Position teilweise oder ganz auflösen.

⚠️ Auf Layer 2 loopen!

Auf Ethereum Mainnet kostet jede einzelne Transaktion (Supply, Borrow, Swap) 20-80€ in Gas-Fees. Bei 5 Loops und je 3 Transaktionen pro Loop bist du schnell bei 300-1.200€ nur für Gas. Auf Arbitrum oder Optimism kosten die gleichen Transaktionen insgesamt nur 2-5€. Nutze Aave V3 auf Layer-2!

Rendite-Rechnung: Was bringt Looping wirklich?

Die effektive Rendite beim Recursive Lending hängt von drei Faktoren ab: dem Supply-Borrow-Spread, der Anzahl der Loops und eventuellen Token-Rewards. Lass uns das konkret durchrechnen.

Beispiel 1: wstETH/ETH Loop (konservativ)

📊 Ausgangslage

  • Eigenes Kapital: 10 ETH (~25.000€)
  • wstETH Supply APY: 0,5% (Aave) + 3,5% (Staking) = 4,0% effektiv
  • ETH Borrow APY: 2,5%
  • Netto-Spread pro Loop: +1,5%
  • LTV: 85% (E-Mode)
  • Loops: 5 → Effektives Exposure: ~3,6x

Effektive Rendite: 4,0% × 3,6 − 2,5% × 2,6 = 14,4% − 6,5% = 7,9% APY

Auf 25.000€ = ~1.975€/Jahr (~165€/Monat)

Beispiel 2: Mit Token-Rewards (Bullenmarkt-Szenario)

📊 Ausgangslage mit Incentives

  • Eigenes Kapital: 10 ETH (~25.000€)
  • wstETH Supply APY: 0,5% + 3,5% (Staking) + 2% (ARB Rewards) = 6,0%
  • ETH Borrow APY: 2,5% − 1% (ARB Borrow-Rewards) = 1,5% effektiv
  • Netto-Spread pro Loop: +4,5%
  • 5 Loops → 3,6x Exposure

Effektive Rendite: 6,0% × 3,6 − 1,5% × 2,6 = 21,6% − 3,9% = 17,7% APY

Auf 25.000€ = ~4.425€/Jahr (~369€/Monat) 🔥

Der Unterschied zwischen Beispiel 1 und 2 zeigt, warum Timing beim Looping wichtig ist. In Phasen mit hohen Token-Incentives (Bullenmarkt, neue Protokoll-Launches) kann Recursive Lending extrem profitabel sein. In Phasen ohne Incentives und bei engem Spread lohnt sich vielleicht nur 1-2 Loops — oder gar kein Looping.

Die Rendite-Formel

Effektive APY = (Supply_APY × Exposure) − (Borrow_APY × (Exposure − 1))

Wobei: Exposure = 1 / (1 − LTV) bei unendlichen Loops

Bei 80% LTV: Max. Exposure = 1 / (1 − 0,8) = 5x

Bei 90% LTV (E-Mode): Max. Exposure = 1 / (1 − 0,9) = 10x

⚠️ Achtung: Rendite ≠ Garantie

Die gezeigten APY-Werte sind Momentaufnahmen. Supply- und Borrow-Raten ändern sich mit jedem Block. Token-Rewards können jederzeit auslaufen. In Bärenmärkten steigen Borrow-Raten oft, während Supply-Raten fallen — dann dreht sich der Spread um und Looping wird verlustreich.

Risiken: Liquidation, Health Factor & mehr

Recursive Lending multipliziert nicht nur die Rendite, sondern auch die Risiken. Jeder Loop erhöht dein Liquidationsrisiko und deine Abhängigkeit von stabilen Marktbedingungen.

💥 Liquidationsrisiko

Das Hauptrisiko beim Looping. Wenn der Wert deines Collaterals im Verhältnis zu deiner Schuld unter den Liquidation Threshold fällt, wird deine Position teilweise oder ganz liquidiert — mit einer Liquidation-Penalty von 5-10%. Bei gleichartigen Assets (wstETH/ETH) ist das Risiko gering, weil beide Seiten gleich schwanken. Bei unterschiedlichen Assets (z.B. ETH supplyen, USDC borrowen) steigt das Risiko massiv mit jedem Loop.

📉 Spread-Umkehr

Lending-Raten sind variabel und ändern sich ständig. Wenn die Borrow-Rate über die Supply-Rate steigt (z.B. bei hoher Nachfrage nach Krediten), wird jeder Loop zum Verlustgeschäft. Bei 5 Loops zahlst du die negative Differenz 3,6-fach — ein kleiner Spread-Shift von -0,5% wird zu -1,8% effektiver Rendite. Überwache den Spread aktiv und sei bereit, Loops rückgängig zu machen.

⛽ Gas-Kosten

Jeder Loop erfordert mehrere Transaktionen: Borrow, Swap, Supply. Auf Ethereum Mainnet summieren sich die Gas-Kosten schnell auf mehrere hundert Euro. Das Auflösen der Loops kostet nochmal dasselbe. Lösung: Layer-2 Chains nutzen (Arbitrum, Optimism) oder Automations-Tools wie DeFi Saver, die alle Loops in einer einzigen Transaktion ausführen.

🔐 Smart Contract Risiko

Beim Looping interagierst du mit mehreren Smart Contracts: dem Lending-Protokoll (Aave, Compound), DEXs für Swaps (Uniswap, 1inch) und ggf. Automations-Tools (DeFi Saver). Jeder zusätzliche Contract ist ein potenzieller Angriffspunkt. Aave V3 wurde seit 2020 nie gehackt, aber ein Restrisiko bleibt. Nutze nur etablierte, auditierte Protokolle.

🔄 Depeg-Risiko (bei LSTs)

Wenn du wstETH/ETH loopst, besteht das Risiko, dass stETH temporär den Peg zu ETH verliert. Im Juni 2022 fiel stETH auf 0,93 ETH — bei einem 5x Loop hätte das zur Liquidation geführt. Seit dem Shanghai-Upgrade (Withdrawals aktiviert) ist das Depeg-Risiko deutlich geringer, aber nicht null. Halte deinen Health Factor hoch genug, um einen 5-10% Depeg zu überleben.

Wo loopen? — Die besten Protokolle für Recursive Lending

Nicht jedes Lending-Protokoll eignet sich gleich gut fürs Looping. Die wichtigsten Kriterien: E-Mode Support, niedrige Borrow-Raten, Multi-Chain-Verfügbarkeit und Token-Incentives.

ProtokollTVLE-ModeChainsLoop-Eignung
Aave V3$12+ Mrd.✅ JaETH, Arb, OP, Poly, Avax⭐⭐⭐⭐⭐
Morpho$3+ Mrd.✅ NativETH, Base⭐⭐⭐⭐⭐
Compound V3$3+ Mrd.❌ NeinETH, Arb, Poly, Base⭐⭐⭐⭐
Spark (MakerDAO)$2+ Mrd.✅ JaETH⭐⭐⭐⭐

Stand: Februar 2026 · TVL via DefiLlama

🏦 Aave V3 — Der Goldstandard

Aave V3 ist das mit Abstand beliebteste Protokoll für Recursive Lending. Der E-Mode erlaubt bis zu 90% LTV für korrelierte Asset-Paare (wstETH/ETH, cbETH/ETH), was deutlich mehr Loops ermöglicht als die Standard-80%. Multi-Chain-Verfügbarkeit auf Arbitrum und Optimism hält die Gas-Kosten niedrig. Aave V3 verwaltet über 12 Milliarden Dollar TVL und wurde seit 2020 nie gehackt.

🔬 Morpho — Optimierte Spreads

Morpho optimiert die Lending-Erfahrung durch Peer-to-Peer-Matching: Anstatt Supply- und Borrow-Raten über einen Pool zu mitteln, versucht Morpho, Lender und Borrower direkt zu matchen. Das Ergebnis: Oft bessere Spreads als auf Aave — was beim Looping direkt die Rendite erhöht. Morpho unterstützt isolierte Märkte für spezifische Asset-Paare, ideal für spezialisierte Loops.

🔷 Compound V3 — Bewährt und einfach

Compound war das erste große Lending-Protokoll in DeFi und bietet ein schlankes, bewährtes Interface. Compound V3 verwendet ein Single-Asset-Borrow-Modell (z.B. nur USDC als Borrow-Asset), was das Looping auf bestimmte Asset-Kombinationen einschränkt. Dafür ist die UX sauberer und die Smart Contracts extrem kampferprobt.

Tools: DeFi Saver & Instadapp — Looping automatisieren

Manuelles Looping erfordert viele einzelne Transaktionen und ist teuer und fehleranfällig. Automations-Tools wie DeFi Saver und Instadapp wickeln den gesamten Loop-Prozess in einer einzigen Transaktion ab — das spart Gas und reduziert Fehlerquellen.

🛡️ DeFi Saver (defisaver.com)

DeFi Saver ist das beliebteste Tool für Recursive Lending. Die „Boost"-Funktion führt den gesamten Loop (Borrow → Swap → Supply) in einer einzigen Transaktion aus. Du wählst einfach den gewünschten Hebel und DeFi Saver rechnet die optimale Anzahl an Loops. Besonders wertvoll: Der „Automation"-Service überwacht deinen Health Factor 24/7 und löst automatisch einen Teil deiner Position auf (Repay), wenn der Health Factor unter einen definierten Schwellenwert fällt. Das schützt dich vor Liquidation. DeFi Saver unterstützt Aave V3, Compound und Morpho.

🔧 Instadapp (instadapp.io)

Instadapp bietet ähnliche Funktionalität wie DeFi Saver, mit einem Fokus auf „Smart Accounts" — dedizierte Smart Contracts, die als Proxy für deine DeFi-Interaktionen dienen. Die „Leverage"-Funktion ermöglicht One-Click-Looping mit wählbarem Hebelfaktor. Instadapp unterstützt Aave V3 und ermöglicht auch Cross-Protocol-Migrations (z.B. Position von Compound zu Aave verschieben). Besonders nützlich: Das „Vault" Feature für automatisiertes Yield-Management.

🎯 DeFi Saver Automation ist Gold wert

Die Automation-Funktion von DeFi Saver kostet eine geringe Service-Fee, kann aber vor einer Liquidation schützen, die 5-10% deiner Position kosten würde. Setze den Trigger auf einen Health Factor von 1,3 und den Target-Health-Factor auf 1,8. So wird automatisch Collateral verkauft, bevor du liquidiert wirst — auch wenn du schläfst.

Health Factor Management — Wann wird es gefährlich?

Der Health Factor ist die wichtigste Kennzahl beim Recursive Lending. Er zeigt das Verhältnis zwischen dem Wert deines Collaterals und deiner Schuld. Ein Health Factor unter 1,0 bedeutet Liquidation.

Die Formel: Health Factor = (Collateral × Liquidation Threshold) / Schulden. Bei Aave V3 mit wstETH als Collateral und ETH als Borrow-Asset beträgt der Liquidation Threshold im E-Mode 93%. Ein Health Factor von 1,5 bedeutet: Dein Collateral ist 50% mehr wert als der Liquidation-Punkt — du hast einen Puffer von ~35% Kursverfall des Collaterals gegenüber dem Borrow-Asset.

Health FactorStatusAktion
> 2,0🟢 SicherAlles gut — keine Aktion nötig
1,5 – 2,0🟢 OKNormaler Bereich für Loops — beobachten
1,2 – 1,5🟡 WarnungCollateral nachschießen oder Teil-Repay
1,0 – 1,2🔴 GefahrSofort Schulden reduzieren!
< 1,0💀 LiquidationAutomatische Liquidation durch das Protokoll

Bei wstETH/ETH Loops ist der Health Factor vergleichsweise stabil, weil beide Assets korreliert sind. Ein Depeg von wstETH gegenüber ETH um 5% würde den Health Factor von z.B. 1,5 auf ~1,35 senken — unangenehm, aber noch nicht kritisch. Bei nicht-korrelierten Assets (z.B. ETH/USDC) kann ein 20% Kursverfall von ETH den Health Factor von 1,5 auf unter 1,0 drücken — Liquidation.

⚠️ Health Factor Best Practices

  • Minimum Health Factor: Nie unter 1,3 gehen, ideal über 1,5
  • DeFi Saver Automation: Trigger bei 1,3, Target bei 1,8
  • Gleichartige Assets: wstETH/ETH hat weniger Risiko als ETH/USDC
  • Monitoring: Täglich checken oder Automation nutzen
  • Reserve: 10-20% deines Kapitals als Notfall-Reserve halten

Steuern beim Looping — Was du wissen musst

Recursive Lending erzeugt eine Vielzahl von steuerlich relevanten Transaktionen. In Deutschland unterliegen DeFi-Erträge der Einkommensteuer, und jeder einzelne Swap innerhalb der Loops kann ein steuerpflichtiges Ereignis sein.

Die steuerliche Behandlung von Recursive Lending in Deutschland ist komplex und noch nicht abschließend durch die Finanzgerichte geklärt. Hier die wichtigsten Grundregeln nach aktuellem Stand (Februar 2026):

1Lending-Erträge = Sonstige Einkünfte

Die Supply-Zinsen, die du auf Aave oder Compound verdienst, gelten als sonstige Einkünfte nach §22 Nr. 3 EStG. Freigrenze: 256€/Jahr. Darüber zahlst du deinen persönlichen Einkommensteuersatz (bis 45% + Soli).

2Swaps = potenziell steuerpflichtige Veräußerungen

Jeder Swap (z.B. ETH → wstETH) innerhalb der Loops gilt als privates Veräußerungsgeschäft (§23 EStG). Wenn du die ETH weniger als 1 Jahr hältst, ist ein Gewinn steuerpflichtig. Bei Looping mit vielen Transaktionen pro Tag kann das schnell unübersichtlich werden.

3Token-Rewards = Einkünfte bei Zufluss

Wenn du ARB- oder MORPHO-Token als Incentives erhältst, gelten diese bei Zufluss als sonstige Einkünfte zum aktuellen Marktpreis. Verkaufst du sie später mit Gewinn innerhalb eines Jahres, fällt erneut Steuer an.

4Borrow-Zinsen = NICHT absetzbar (in der Regel)

Die Borrow-Zinsen, die du an Aave zahlst, sind in der Regel nicht als Werbungskosten absetzbar, wenn du als Privatperson agierst. Bei gewerblicher Tätigkeit können sie unter Umständen als Betriebsausgabe geltend gemacht werden — das sollte ein Steuerberater prüfen.

🎯 Steuer-Dokumentation ist Pflicht

Nutze Steuer-Software wie CoinTracking oder Blockpit, um alle Transaktionen automatisch zu erfassen. Bei 5 Loops mit je 3 Transaktionen hast du schnell 15+ steuerlich relevante Vorgänge pro Setup — manuell kaum zu dokumentieren. Importiere deine Wallet-Adresse und die Software trackt alles automatisch.

Über die Autoren

KZ

Krypto-Zinsen.com Redaktion

Unser Redaktionsteam besteht aus Krypto-Investoren mit jahrelanger Erfahrung in DeFi, Staking und Trading. Wir recherchieren gründlich, testen Plattformen selbst und aktualisieren unsere Inhalte regelmäßig.

🎯 Finde den besten Yield für deine Coins

18.500+ Pools durchsuchen, Risiko-Rating, Steuer-Schätzung — mit dem persönlichen Yield-Finder.

Häufig gestellte Fragen zu Recursive Lending

Was ist Recursive Lending im DeFi-Bereich?

Recursive Lending (auch Looping genannt) ist eine DeFi-Strategie, bei der du ein Asset als Collateral hinterlegst, dagegen dasselbe Asset leihst und dieses erneut als Collateral hinterlegst — in mehreren Schleifen. Dadurch multiplizierst du dein effektives Exposure und damit deine Rendite. Typisch sind 3-7 Loops, die eine Basis-Rendite von 3% auf 10-15% effektiv steigern können.

Ist Recursive Lending legal?

Ja, Recursive Lending ist legal. Es handelt sich um eine vollständig erlaubte DeFi-Strategie, die öffentlich zugängliche Smart Contracts nutzt. Protokolle wie Aave, Compound und Morpho sind darauf ausgelegt, solche Strategien zu ermöglichen. Steuerlich musst du allerdings alle Transaktionen dokumentieren — jeder Loop-Schritt kann ein steuerlich relevantes Ereignis sein.

Wie hoch ist das Liquidationsrisiko beim Looping?

Das Liquidationsrisiko steigt mit jedem Loop erheblich. Bei einem 5x Loop mit 80% LTV liegt dein effektiver Health Factor deutlich niedriger als bei einer einfachen Position. Ein Kursrückgang von 10-15% kann bereits zur Liquidation führen — im Vergleich zu 20-25% bei einer einfachen Position. Du musst deinen Health Factor aktiv überwachen und bei unter 1,5 Maßnahmen ergreifen.

Welche Protokolle eignen sich am besten für Recursive Lending?

Die drei besten Protokolle für Recursive Lending sind: Aave V3 (größtes Protokoll, Multi-Chain, E-Mode für gleichartige Assets), Morpho (optimierte Zinsen durch P2P-Matching, oft bessere Spreads) und Compound V3 (bewährt, einfaches Interface). Für automatisiertes Looping empfehlen sich DeFi Saver und Instadapp, die den gesamten Prozess in einer Transaktion abwickeln.

Lohnt sich Recursive Lending bei kleinen Beträgen?

Auf Ethereum Mainnet lohnt sich Recursive Lending erst ab ca. 5.000-10.000€, da die Gas-Kosten pro Loop-Schritt 20-50€ betragen können. Auf Layer-2 Chains wie Arbitrum oder Optimism sinken die Gas-Kosten auf wenige Cents pro Transaktion, sodass Looping bereits ab 500-1.000€ sinnvoll sein kann. Alternativ automatisieren Tools wie DeFi Saver alle Loops in einer Transaktion.

Wie werden Recursive Lending Gewinne in Deutschland versteuert?

In Deutschland sind DeFi-Lending-Erträge als sonstige Einkünfte steuerpflichtig (§22 Nr. 3 EStG). Die Freigrenze liegt bei 256€ pro Jahr. Jeder einzelne Supply/Borrow-Schritt kann ein steuerlich relevantes Ereignis darstellen. Bei Krypto-zu-Krypto Swaps innerhalb der Loops greift ggf. die 1-Jahres-Haltefrist. Dokumentiere alle Transaktionen sorgfältig mit Tools wie CoinTracking oder Blockpit.

Fazit: Recursive Lending — Mächtiger Hebel mit Verantwortung

Recursive Lending ist eines der mächtigsten Werkzeuge im DeFi-Arsenal: Du kannst moderate Basis-Renditen von 3–4% auf 8–15% multiplizieren, indem du dein Exposure durch Loops vervielfachst. Besonders bei gleichartigen Assets wie wstETH/ETH ist das Liquidationsrisiko überschaubar, und Tools wie DeFi Saver automatisieren den Prozess und schützen vor Liquidation.

Aber: Looping ist kein Free Lunch. Jeder Loop erhöht dein Risiko — Spread-Umkehr, Gas-Kosten und steuerliche Komplexität müssen einkalkuliert werden. Die Strategie eignet sich für erfahrene DeFi-Nutzer, die ihren Health Factor aktiv managen können und die Mechanismen von Lending-Protokollen verstehen.

Unsere Empfehlung: Starte mit 1-2 Loops auf Aave V3 (Arbitrum) mit wstETH/ETH im E-Mode. Nutze DeFi Saver für Automation und Health Factor Protection. Skaliere erst auf mehr Loops, wenn du dich mit den Mechanismen sicher fühlst. Und vergiss die Steuerdokumentation nicht.

⚠️ Keine Anlageberatung

Dieser Artikel dient ausschließlich der Information. Recursive Lending ist eine fortgeschrittene DeFi-Strategie mit erheblichen Risiken, einschließlich Totalverlust des eingesetzten Kapitals. Dies ist keine Anlageberatung. Investiere nur, was du bereit bist zu verlieren.