Krypto-Zinsen

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🟡 Fortgeschritten
📅Aktualisiert:

Compound V3: DeFi-Lending 2026

A

Unsere Bewertung

🏛️ Compound V3 — Auf einen Blick

TVL:$2.03 Mrd.
Chains:11 Chains
Kategorie:Lending
Rating:A (90/100)
Gründung:2018

Live-Daten von DefiLlama • Stand: 30.8.2026

Compound V3: Der Pionier des dezentralen Lending

Überblick & Quick-Facts

Compound V3 verwaltet über $1,31 Mrd. TVL und ist eines der ältesten und bewährtesten DeFi-Lending-Protokolle weltweit (Stand: Mai 2026). Als Erfinder des Liquidity-Pool-Modells hat Compound die Grundlagen für das gesamte DeFi-Ökosystem gelegt. Beim Kelp DAO rsETH-Exploit im April 2026 ($292M Schaden) schützte ein proaktives CAPO-Oracle-Update Compounds Nutzer, bevor der Angriff stattfand.

EigenschaftDetails
ProtokollCompound V3 (Comet)
KategorieDecentralized Lending & Borrowing
TVL (Total Value Locked)$1,31 Mrd. (Mai 2026)
Verfügbare Chains9 (Ethereum, Arbitrum, Base, Polygon, Optimism, Mantle, Scroll, Ronin, Unichain)
GründungCompound Labs 2017; V1: 2018, V2: 2019, V3 (Comet): 2022
GründerRobert Leshner
Governance TokenCOMP (~€22,60 / $24,56, Mai 2026)
AuditsOpenZeppelin, Trail of Bits, ChainSecurity
Bug Bounty$1M Bug Bounty Programm
HacksKein direkter Hack, aber COMP Token-Verteilungsfehler (2021)
Sicherheit 2026Kelp DAO rsETH-Exploit (Apr 2026, $292M): Compound durch CAPO-Oracle proaktiv geschützt
Websitecompound.finance

Was ist Compound?

Compound Finance ist das Protokoll, das DeFi-Lending erfunden hat, wie wir es heute kennen. Noch bevor Aave, MakerDAO oder andere Lending-Protokolle existierten, legte Compound den Grundstein für das dezentrale Kreditwesen. Für jeden, der sich mit Krypto-Zinsen beschäftigt, ist ein Verständnis von Compound essenziell.

Von der Idee zum DeFi-Pionier

Die Geschichte von Compound beginnt 2017, als der amerikanische Unternehmer Robert Leshner, ehemaliger Ökonom und Geschäftsführer, zusammen mit Geoffrey Hayes (CTO) Compound Labs gründete, um ein automatisiertes Kreditprotokoll auf Ethereum zu bauen. Im September 2018 ging Compound V1 live. Compound V1 war damit eines der allerersten funktionierenden DeFi-Protokolle überhaupt.

Das Revolutionäre an Compound war das Liquidity-Pool-Modell: Anstatt einzelne Kreditgeber mit einzelnen Kreditnehmern zu matchen (Peer-to-Peer), zahlten alle Nutzer in gemeinsame Pools ein, aus denen Kreditnehmer automatisch Kapital leihen konnten. Dieses Modell wurde zum Standard für die gesamte DeFi-Industrie: Aave, Morpho und zahllose andere Protokolle bauen auf dem gleichen Prinzip auf.

Der COMP Token: Beginn der DeFi-Ära

Im Juni 2020 machte Compound Geschichte, als es den COMP Governance Token lancierte und Liquidity Mining in großem Maßstab populär machte. Nutzer erhielten COMP-Token als Belohnung für das Bereitstellen oder Leihen von Kapital, ein Konzept, das als „Yield Farming" bekannt wurde und den berühmten DeFi-Sommer 2020 auslöste. (Frühere, deutlich kleinere Formen von Liquidity Mining gab es bereits bei IDEX 2017 und Synthetix 2019; Compound machte das Modell jedoch zum Mainstream.)

Compound war das Protokoll, das Yield Farming in großem Maßstab etablierte und damit den DeFi-Sommer 2020 auslöste, eine der transformativsten Perioden in der Geschichte der Kryptowährungen. Der TVL im gesamten DeFi-Ökosystem explodierte innerhalb weniger Monate von unter $1 Mrd. auf über $10 Mrd., und COMP wurde zum Vorbild für Hunderte von Governance-Token-Launches. Das damalige Compound-Modell war dabei bewusst einfach gehalten: Anders als das spätere V3-Modell nutzten V1/V2 cTokens (z.B. cUSDC, cETH) als rebasing Interest-Bearing-Tokens; wer USDC einzahlte, erhielt cUSDC zurück, dessen Wechselkurs gegenüber USDC mit jedem Block anstieg. V3 ersetzt dieses Modell durch internes Buchhaltungs-Accounting ohne separate Zins-Token, ein bewusster Architektur-Entscheid, der Gas spart und die Kompatibilität mit anderen Protokollen vereinfacht.

Der COMP-Token wird aktuell bei rund ~€22,60 gehandelt (Mai 2026) und verleiht seinen Inhabern Stimmrechte über alle Protokollparameter. Mit einer maximalen Umlaufmenge von 10 Millionen Token war COMP einer der ersten echten Governance-Token im DeFi-Ökosystem.

Historischer Kontext: Während des DeFi-Sommers 2020 stiegen die COMP-Rewards so weit, dass Borrower auf Compound effektiv negativ verzinst liehen: Die erhaltenen COMP-Token überstiegen die Borrowing-Kosten. USDC-Lender erzielten zeitweise 40%+ APY (COMP-Rewards eingerechnet). Diese Periode endete, als die COMP-Emission normalisiert und der Token-Preis sank. Das war kein nachhaltiges Modell, aber es zeigte, wie mächtig Liquidity-Mining-Incentives sein können. Ein Wissen, das für jeden DeFi-Investor heute noch relevant ist: Variable Protokoll-Zinsen ohne Token-Rewards sind konservativer kalkulierbar als Token-subventionierte APYs.


Compound V3 (Comet): Das neue Modell

Warum der radikale Umbau?

Compound V2 funktionierte jahrelang zuverlässig, hatte aber strukturelle Schwächen: Jedes Asset konnte als Collateral genutzt werden, was das Risikomanagement komplex machte. Ein Preisverfall eines exotischen Tokens konnte theoretisch Auswirkungen auf den gesamten Pool haben, ein Risiko, das mit zunehmender Asset-Vielfalt schwerer zu kontrollieren war.

Im August 2022 lancierte Compound deshalb V3, intern als Comet bezeichnet: ein radikal neues Design, das die Architektur von Grund auf neu denkt.

Das Single-Asset-Modell

Compound V3 führte das Single-Asset-Collateral-Modell ein: Jeder Markt hat genau ein Basis-Asset, das verliehen und geliehen wird. Statt eines großen Pools mit vielen Assets gibt es separate Märkte: z.B. den USDC-Markt, den USDT-Markt oder den ETH-Markt.

Comet als monolithischer Einzelvertrag: Anders als Aave V3 mit seiner modularen Proxy-Architektur ist Compound V3 (Comet) als einzelner monolithischer Smart Contract implementiert. Das macht die gesamte Codebase erheblich kleiner und vollständiger auditierbar, ein Auditor muss nur einen Contract prüfen, nicht ein Netzwerk aus Proxies und Implementierungen. Der Nachteil: Upgrades erfordern neue Deployments statt einfacher Proxy-Swaps.

So funktioniert es im Detail:

  • Basis-Asset (Base Asset): Das Asset, das tatsächlich verliehen und geliehen wird (z.B. USDC)
  • Collateral Assets: Verschiedene Token, die als Sicherheit hinterlegt werden können (z.B. ETH, WBTC, LINK)
  • Kein Cross-Collateral: Sicherheiten können nicht selbst als Leihkapital genutzt werden, sie dienen ausschließlich als Pfand

Dieses Design hat einen entscheidenden Vorteil: Jeder Markt ist isoliert. Ein Problem mit einem Collateral-Asset betrifft nur den jeweiligen Markt, nicht das gesamte Protokoll. Das macht Compound V3 von der Architektur her sicherer als das alte Modell.

V2 vs. V3: Die wichtigsten Unterschiede

FeatureCompound V2Compound V3 (Comet)
ArchitekturEin Pool, viele AssetsSeparate Märkte pro Basis-Asset
Collateral-NutzungJedes Asset kann Collateral seinNur definierte Collateral-Assets
Zinsen auf CollateralJa (cTokens)Nein, Collateral verdient keine Zinsen
Risiko-IsolationGering, alles verbundenHoch, Märkte isoliert
Gas-EffizienzModeratDeutlich verbessert
Code-KomplexitätHochVereinfacht und sicherer

Ein wichtiger Trade-off: In V3 verdienen hinterlegte Collateral-Assets keine Zinsen mehr. Wer ETH als Sicherheit hinterlegt, erhält darauf kein Supply APY. Die Zinsen gibt es nur für das Basis-Asset. Das ist ein bewusster Design-Kompromiss zugunsten der Sicherheit und Einfachheit.


Wie funktioniert Lending auf Compound?

Supply: Kapital bereitstellen

Wer auf Compound V3 Krypto verleihen möchte, zahlt das Basis-Asset eines Marktes ein, beispielsweise USDC in den USDC-Markt. Im Gegenzug erhält der Nutzer automatisch Zinsen, die direkt dem eingezahlten Guthaben zugeschrieben werden. Anders als bei Aave V3, wo man aTokens erhält, arbeitet Compound V3 mit einem internen Buchhaltungssystem, keine separaten Zins-Token.

Borrow: Kredit aufnehmen

Um einen Kredit aufzunehmen, hinterlegt der Nutzer zunächst Collateral-Assets (z.B. ETH oder WBTC) und kann dann das Basis-Asset (z.B. USDC) leihen. Die maximale Leihsumme hängt vom Borrow Collateral Factor des jeweiligen Assets ab, bei ETH typischerweise 80–85% des Collateral-Werts (aktuelle Parameter auf compound.finance).

Interest Rate Model

Compound V3 nutzt ein algorithmisches Zinsmodell, bei dem die Zinssätze automatisch durch Angebot und Nachfrage bestimmt werden: Je höher die Auslastung eines Pools, desto höher die Zinsen. Das Modell folgt einer Kurve mit einem sogenannten Kink (Knick):

  • Unter dem Kink (~80% Auslastung): Zinsen steigen moderat und linear
  • Über dem Kink: Zinsen steigen steil an, um Liquidität zu incentivieren

Dieses bewährte Modell, das Compound als eines der ersten Protokolle eingeführt hat, wird heute von praktisch allen DeFi-Lending-Protokollen verwendet, auch von Aave.

Liquidation

Wenn der Wert der Sicherheiten unter den erforderlichen Schwellenwert fällt, wird die Position liquidiert. In Compound V3 funktioniert die Liquidation über ein einzigartiges Absorptions-Modell (Compound V3 Dokumentation):

  1. Absorption: Das Protokoll übernimmt die unterwasserte Position direkt, die Schulden werden aus den Protokoll-Reserves beglichen, die Collateral-Assets wandern in die Protokoll-Bilanz
  2. Holländische Auktion: Das Protokoll verkauft die übernommenen Collateral-Assets mit einem anfänglichen Rabatt, der über Zeit zunimmt, bis ein Käufer zuschlägt
  3. Kein Liquidations-Penalty für Nutzer: Anders als bei Drittanbieter-Liquidationen (V2, Aave) gibt es keine externe Liquidations-Prämie die an einen Arbitrageur geht, die Erträge fließen in die Protokoll-Reserves

Warum das besser ist: Bei traditionellen DeFi-Liquidationen zahlen Nutzer typischerweise eine Liquidations-Prämie von 5–15% an externe Liquidatoren. Compound V3 eliminiert diesen Verlust durch Protokoll-native Absorption.

Praxis-Beispiel Liquidationsrisiko: Du hinterlegst 1 ETH (~€2.400) als Collateral und leihst dir 1.500 USDC (Borrow-LTV 62,5%, weit unter dem BCF von 83%). Der Liquidation Threshold für WETH beträgt 90%. Deine Position wird liquidiert, wenn ETH auf ~€1.667 fällt (1.500 / 0,90). Mit einem Buffer von 44% über diesem Wert (ETH > €2.400) befindest du dich im sicheren Bereich. Wichtig: Der Borrow Collateral Factor (83%) bestimmt wie viel du leihen kannst, der Liquidation Threshold (90%) bestimmt wann du liquidiert wirst. Der Puffer zwischen beiden (7 Prozentpunkte) gibt dir Zeit zu reagieren, bevor die Liquidation ausgelöst wird. Faustregel: Nie mehr als 50% des maximalen BCF ausschöpfen.

Collateral-Faktoren im USDC-Markt (Ethereum, Mai 2026)

Die folgende Tabelle zeigt die aktuellen Parameter für den cUSDCv3-Markt auf Ethereum, dem mit Abstand größten Compound-Markt mit $110M TVL. Alle Werte können durch Governance-Proposals angepasst werden (Compound App):

Collateral AssetBorrow Collateral FactorLiquidation ThresholdBedeutung
WETH (Ethereum)83%90%Leihst du 1.000 USDC, brauchst du mind. ~€1.205 ETH als Sicherheit
WBTC70%77%Konservativster Faktor, Bitcoin-Volatilität eingepreist
LINK79%85%Mittleres Risiko, solide Liquidität
UNI75%81%Governance-Token mit höherer Volatilität
cbETH80%87%Liquid Staking Token, nahe an ETH-Faktor
wstETH80%87%Lido's Wrapped Staked ETH

Erklärung der zwei Faktoren: Der Borrow Collateral Factor bestimmt, wie viel du maximal leihen kannst. Der Liquidation Threshold ist der Schwellenwert, bei dem die Liquidation ausgelöst wird, der Puffer zwischen beiden schützt Nutzer vor sofortiger Liquidation bei kleinen Preisschwankungen. Kein Wettbewerber erklärt diesen Unterschied explizit.


Aktuelle Renditen

Live APYs (Stand: Mai 2026)

Die folgenden Daten stammen direkt aus der DefiLlama-API und compound.finance:

AssetChainSupply APYTVLStablecoin
USDCEthereum2,7%$110MJa
USDTEthereum2,4%$74MJa
ETHEthereum2,0%$15MNein
USDCArbitrum2,8%$9MJa
USDTArbitrum2,8%$7MJa
USDCBase3,3%$3MJa
USDCOptimism3,0%$1MJa
USDTOptimism3,6%$1MJa

Wo sind die besten Stablecoin-Renditen?

Für Anleger im DACH-Raum, die primär an Stablecoin-Renditen interessiert sind:

  • USDT auf Optimism bietet mit 3,6% APY die höchste Rendite, allerdings bei sehr geringem TVL ($1M)
  • USDC auf Base liefert 3,3% APY, solide Rate bei niedrigen Gas-Kosten auf dem Layer-2
  • USDC auf Ethereum bietet 2,7% APY bei der größten Liquidität ($110M TVL), die sicherste Option für größere Beträge
  • USDC/USDT auf Arbitrum kommen auf 2,8% APY, guter Kompromiss aus Rate und Liquidität

Compound V3 bietet aktuell Stablecoin-Renditen zwischen 2,4% und 3,6% APY. Aave V3 reicht mit der GHO-Option bis 5,2%, wer die höchste Rendite sucht, wechselt zu Aave. Wer Risiko-Isolation und Einfachheit priorisiert, bleibt bei Compound.

Praxis-Rechner: €10.000 in Compound V3 (Mai 2026)

StrategieAPYJahresertragMonatlichSteuerhinweis (Deutschland)
USDC auf Ethereum2,7%€270€22,50Unter 256€-Freigrenze bis €9.481 Kapital
USDC auf Base3,3%€330€27,50Über 256€-Freigrenze → voller Betrag steuerpflichtig
USDT auf Optimism3,6%€360€30,00Über 256€-Freigrenze → voller Betrag steuerpflichtig
USDC auf Arbitrum2,8%€280€23,33Über 256€-Freigrenze

DACH-Steuertipp: Die deutsche Freigrenze von 256€ gilt für den Gesamtbetrag, wer sie überschreitet, zahlt auf alles Steuern. Bei 2,7% APY auf Ethereum bleibt man bis zu einem Kapital von €9.481 unter der Grenze (€9.481 × 2,7% = €256). Für die automatische Erfassung aller Zinszuflüsse eignen sich CoinTracking oder Blockpit. Die Zinssätze sind variabel und schwanken mit der Marktlage, in bullischen Phasen mit hoher Kreditnachfrage steigen sie oft deutlich.

Praxis-Szenario: €15.000 USDC-Anleger aus Deutschland (Mai 2026)

Maria aus München möchte €15.000 USDC sicher in DeFi anlegen. Ihr Entscheidungsprozess:

  1. Chain-Wahl: Base statt Ethereum, bei €15.000 sind Gas-Kosten auf Ethereum ($5–50 pro Tx) relativ teuer; auf Base kostet dieselbe Transaktion Cent-Beträge
  2. Markt: USDC auf Base mit 3,3% APY, höchste Rendite mit vertretbarer Liquidität ($3M TVL)
  3. Jahresertrag: €15.000 × 3,3% = €495 brutto, übersteigt die 256€-Freigrenze → volles §22 Nr. 3 EStG-Einkommen bei 42% Spitzensteuersatz ca. €208 Steuer → Netto-Ertrag: ~€287/Jahr (1,9% netto)
  4. Kelly-Empfehlung: Bei 1% Hack-Wahrscheinlichkeit empfiehlt ½ Kelly max. 30% des DeFi-Portfolios in Compound V3 → €15.000 = angemessener Einsatz bei €50.000 Gesamtportfolio
  5. Risiko-Check: Ethereum-Deployment mit $1,19 Mrd. TVL ist sicherer, Base mit nur $3M TVL birgt höheres Liquiditätsrisiko bei größerem Abzug

Resultat: Für Marias Profil ist USDC auf Ethereum (2,7% APY, $110M TVL) trotz niedrigerer Rendite die bessere Wahl, tiefere Liquidität und geringeres Slippage-Risiko bei €15k-Position überwiegen den 0,6% APY-Unterschied zu Base.

Praxis-Szenario: €5.000 Einstieg aus Österreich (Mai 2026)

Thomas aus Wien möchte €5.000 USDC als ersten DeFi-Schritt anlegen:

  1. Chain: Base oder Arbitrum (Gas-Kosten < $0,10 pro Tx; auf Ethereum wäre bei €5.000 jede Transaktion zu teuer)
  2. Markt: USDC auf Base mit 3,3% APY
  3. Jahresertrag: €5.000 × 3,3% = €165 brutto
  4. Steuer Österreich: DeFi-Zinsen gelten als Einkünfte aus Kapitalvermögen (27,5% KESt ab dem ersten Euro) → €165 × 27,5% = ca. €45 Steuer; Netto: ~€120/Jahr (2,4% netto)
  5. Wichtig: Österreich hat keine Freigrenze wie Deutschland (256€/Jahr), KESt fällt ab dem ersten Cent an

Fazit: Compound V3 auf Base ist Thomas' beste DeFi-Einstiegsoption. Das Nettoresultat ist bescheiden, aber das Protokoll-Risiko ist kalkulierbar und belegt.


Compound vs. Aave: Der große Vergleich

Compound und Aave sind die beiden Urgesteine des DeFi-Lending, doch während Compound den Markt erfand, hat Aave ihn mittlerweile dominiert. Der Vergleich ist essenziell für jeden, der sich zwischen den beiden Protokollen entscheiden möchte.

Architektur-Vergleich

MerkmalCompound V3Aave V3
TVL$1,31 Mrd.$14,37 Mrd.
ModellSingle-Asset-Märkte (Comet)Multi-Asset-Pool mit Isolation Mode
Chains918
Flash LoansNeinJa (Erfinder!)
Eigener StablecoinNeinGHO
Zinsen auf CollateralNeinJa (aTokens)
Efficiency ModeNeinJa (eMode)
Stablecoin-APY2,4–3,6%1,8–5,2%
Bug Bounty$1M$15M+
Governance TokenCOMP (~€22,60)AAVE (~€93)
Gründung20182020

Wo ist Compound besser?

  • Einfachheit: Das Single-Asset-Modell ist konzeptionell klarer und einfacher zu verstehen
  • Risiko-Isolation: Märkte sind stärker voneinander getrennt als bei Aave
  • Gas-Effizienz: Compound V3 ist bei einigen Operationen gas-effizienter
  • Pionier-Status: Compound hat das Liquidity-Pool-Modell und Yield Farming erfunden

Wo ist Aave besser?

  • Liquidität: ~11x mehr TVL bedeutet tiefere Pools und bessere Ausführung
  • Chain-Support: 18 vs. 9 Chains, deutlich breitere Verfügbarkeit
  • Features: Flash Loans, eMode, GHO, Portals, mehr Innovation
  • Collateral-Rendite: Bei Aave verdient auch hinterlegtes Collateral Zinsen
  • Sicherheitsbudget: $15M Bug Bounty vs. $1M, 15x höher

Fazit: Wer gewinnt?

Für die meisten Anleger ist Aave V3 die bessere Wahl, mehr Liquidität, mehr Features, breitere Chain-Verfügbarkeit. Compound hat jedoch seinen Platz als bewährte, sichere Alternative mit einem eleganten, vereinfachten Design. Wer maximale Einfachheit und Risiko-Isolation sucht, wählt Compound V3. Für fortgeschrittene DeFi-Nutzer kann die Diversifikation über beide Protokolle sinnvoll sein, siehe unsere Krypto-Strategien für mehr dazu.

DeFi-Lending Marktlage 2025/2026

Der Kontext für Compound-Anleger hat sich seit Ende 2025 deutlich verändert. Drei Entwicklungen sind für die Bewertung von Compound V3 heute relevant:

1. Aave ATH und Compound-Marktanteil (Q1 2026)

Während Aave V3 im ersten Quartal 2026 neue Allzeithochs beim TVL verzeichnete und die $14-Mrd.-Marke überschritt, bleibt Compound mit $1,31 Mrd. bei einem Marktanteil von etwa 8% im DeFi-Lending. Der Abstand hat sich strukturell vergrößert: Aave's Einführung von GHO, eMode und seiner 18-Chain-Präsenz hat Compound im Feature-Rennen zurückgelassen. Was Compound dagegen verteidigt: den Ruf für konservatives Risikomanagement, exemplarisch beim CAPO-Update vor dem rsETH-Exploit (April 2026). Das spricht für eine klare Nische: Compound ist nicht für Renditejäger, sondern für Protokoll-Konservative.

2. Institutionelle DeFi-Zinsen als Makrotrend (2026)

Fallende Realzinsen im Euroraum (EZB-Leitzins unter 2% seit Q4 2025) und steigende Nachfrage nach alternativen Renditen haben institutionelle Anleger aus DACH-Ländern stärker in Richtung DeFi-Lending gedrängt. Compound V3 profitiert davon vor allem über den Ethereum-USDC-Markt ($1,19 Mrd. TVL), der tief genug ist, um institutionelle Allokationen ohne signifikantes Slippage zu absorbieren. Kleinere Layer-2-Deployments (Base: $27M) eignen sich dagegen nicht für Tickets über €100k, das Liquiditätsrisiko überwiegt den APY-Vorteil.

3. DeFi-Erholung durch Layer-2-Wachstum (seit Dez 2025)

Der Ethereum-Layer-2-Ökosystem hat seit Dezember 2025 signifikant an Reife gewonnen. Compound V3 ist auf Arbitrum ($80M TVL) und Base ($27M TVL) die klare Lending-Referenz für Nutzer, die Ethereum-Sicherheit mit niedrigen Gas-Kosten kombinieren wollen. Die Expansion auf Unichain (Februar 2026) zeigt, dass Compound aktiv in neue DeFi-Ökosysteme vordringt, ein Zeichen, dass das Protokoll trotz Feature-Rückstand nicht stagniert.


Sicherheit & Risiken

Audit-Historie

AuditorBereichStatus
OpenZeppelinV2, V3 Core✅ Abgeschlossen
Trail of BitsV3 (Comet)✅ Abgeschlossen
ChainSecurityV3, Governance✅ Abgeschlossen
DedaubV3 Deployments✅ Abgeschlossen

Compound V3 wurde von OpenZeppelin, Trail of Bits und ChainSecurity auditiert, drei der angesehensten Sicherheitsfirmen im Blockchain-Bereich. Die Audit-Abdeckung ist solide, wenn auch weniger breit als bei Aave mit seinen sechs Audit-Partnern.

Der COMP Token-Verteilungsfehler (2021)

Der prominenteste Incident in Compounds Geschichte ereignete sich im September 2021: Ein Fehler im Governance-Proposal 062 konfigurierte den COMP-Verteilungsmechanismus falsch, sodass Nutzer fälschlicherweise weit mehr COMP-Token erhielten als vorgesehen. Insgesamt verteilte das Protokoll rund $80 Millionen in COMP fehlerhaft.

Wichtig: Es handelte sich nicht um einen Hack, sondern um einen Governance-Bug. Der Smart Contract funktionierte genau wie programmiert, nur die Parameter waren falsch gesetzt. Robert Leshner rief die Community öffentlich dazu auf, die zu viel erhaltenen Token zurückzugeben (mit dem mittlerweile berühmt-berüchtigten Twitter-Post, in dem er Empfänger warnte, das IRS könnte sich für die unrechtmäßigen Erträge interessieren). Ein Großteil der Token wurde tatsächlich zurückgegeben.

Der COMP-Verteilungsfehler von 2021 war kein Hack, sondern ein Governance-Bug, kein Nutzer verlor Einlagen, und das Protokoll selbst wurde nie kompromittiert. Dennoch war es ein Weckruf für die gesamte DeFi-Community bezüglich der Risiken von On-Chain-Governance und der Notwendigkeit rigoroser Testing-Prozesse für Governance-Proposals.

rsETH Oracle-Update und systemisches DeFi-Risiko (April 2026)

Am 13. April 2026 verabschiedete die Compound DAO einen On-Chain-Proposal, die Price Feeds für rsETH auf dem cWETHv3-Markt auf Unichain auf die CAPO-Implementierung (Capped Oracle) umzustellen, eine Schutzmaßnahme, die extreme Preisspikes nach oben begrenzt und damit das Risiko einer manipulierten Collateral-Bewertung reduziert.

Am 18. April 2026 hackten Angreifer KelpDAO's LayerZero-Cross-Chain-Bridge und stahlen 116.500 rsETH (ca. $292 Millionen, größter DeFi-Exploit 2026). Der Mechanismus: Die Angreifer fälschten eine gültige LayerZero-Cross-Chain-Nachricht, um die Bridge zur Freigabe der Mittel zu bringen. Mit den gestohlenen rsETH-Tokens nutzten sie mehrere DeFi-Protokolle als Collateral.

Compound vs. Aave beim Kelp-Exploit: Aave V3 drohten bis zu $230 Millionen Verlust aus Angreifer-Positionen. Compounds Exposure blieb deutlich kleiner, weil die proaktive CAPO-Implementierung (Capped Oracle) den maximal erlaubten rsETH-Preis begrenzte und damit die Beleihbarkeit der gestohlenen Tokens einhielt. Compound absorbierte die Angreiferposition über das Protokoll-eigene Absorptions-Modell und konnte Teile davon wiederherstellen. Aave reagierte mit einem Sofort-Freeze aller rsETH-Märkte.

Lehre: Das Beispiel zeigt sowohl das systemische Risiko von DeFi-Ökosystemen (ein Exploit in einem Protokoll erzeugt Kettenreaktionen) als auch Compounds aktives Risikomanagement durch proaktive Governance-Reaktionen.

Auswirkung auf die Risikoeinschätzung: Die proaktive CAPO-Implementation vor dem Exploit und die Tatsache, dass Compound-Nutzer keine direkten Verluste erlitten, stützen das moderate Szenario in der Kelly-Kalkulation weiter unten (1% jährliches Hack-Risiko). Protokolle mit systematischem On-Chain-Risk-Management, Capped Oracles, professionelle Risk-Manager wie Gauntlet, isolierte Märkte, verdienen eine günstigere Risikobewertung als der DeFi-Sektor-Durchschnitt. Das CAPO-Beispiel ist ein konkreter Beleg dafür, dass Compound V3 nicht nur historisch sicher war, sondern aktiv zukunftsorientiert absichert.

Risiko-Matrix

RisikotypBewertungDetails
Smart-Contract-RisikoNiedrigMehrere Top-Audits, 6+ Jahre Track Record
Oracle-RisikoNiedrigChainlink Price Feeds + CAPO-Schutz (Capped Oracle) gegen Preis-Manipulation
LiquidationsrisikoNutzerabhängigKonservative LTV-Ratios wählen
Governance-RisikoMittelHistorischer COMP-Bug zeigt reales Risiko
Regulatorisches RisikoMittelUS-basiertes Team, SEC-Aufmerksamkeit
Systemisches RisikoNiedrig-MittelKleinerer TVL = geringere systemische Bedeutung

Multi-Chain: Compound V3 auf 9 Chains

Compound V3 ist auf 9 Blockchains verfügbar, von Ethereum über etablierte Layer-2s bis hin zu neueren Chains wie Mantle und Ronin (Stand: Mai 2026).

TVL-Verteilung nach Chain

ChainTVLAnteil
Ethereum$1.191M89,6%
Arbitrum$80,4M6,1%
Base$26,9M2,0%
Optimism$15,5M1,2%
Polygon$7,1M0,5%
Mantle$5,0M0,4%
Unichain$2,5M0,2%
Scroll$0,1M<0,1%
Ronin$0,2M<0,1%

Ethereum dominiert mit ~90% des TVLs, wenig überraschend für das älteste und liquideste DeFi-Lending-Protokoll. Arbitrum hat sich mit fast $90M TVL als stärkste Layer-2-Deployment etabliert, gefolgt von Base und Optimism.

TVL-Wachstum seit Launch: Seit dem Start im August 2022 hat Compound V3 kontinuierlich Kapital angezogen. Der Wachstumspfad nach DefiLlama:

ZeitraumCompound V3 TVLWachstum
Launch (Aug 2022)~$150MStartwert (Ethereum-only)
Jahresende 2022~$400M+167%, DeFi-Winter überstanden
Jahresende 2023~$600M+50%, Multi-Chain Expansion
Jahresende 2024~$900M+50%, Base & Arbitrum-Wachstum
Mai 2026$1,31 Mrd.+773% seit Launch

Trotz des Design-Kompromisses, dass Collateral keine Zinsen verdient, hat Compound V3 seinen TVL seit Launch fast verachtfacht. Bemerkenswert: Arbitrum übertrifft mit $89,7M TVL alle anderen Layer-2-Deployments zusammengenommen ($72M), was die Dominanz günstigerer Gas-Märkte bei institutionellen und professionellen Nutzern unterstreicht. Die Gauntlet-Partnerschaft, die auf bis zu 50 Comet-Deployments ausgeweitet wurde, signalisiert, dass das Multi-Chain-Wachstum strukturell abgesichert und risikomanagement-begleitet ist.

Für Nutzer im DACH-Raum ist die Wahl der Chain vor allem eine Kosten-Frage: Auf Ethereum zahlt man $5–50 pro Transaktion, während auf Base, Arbitrum oder Optimism die gleichen Aktionen für wenige Cent möglich sind. Bei kleineren Beträgen unter $10.000 empfehlen sich daher die Layer-2-Deployments.


Steuern in Deutschland

Lending-Erträge auf Compound

Zinserträge aus dem Verleihen auf Compound gelten in Deutschland als Einkünfte aus sonstigen Leistungen gemäß §22 Nr. 3 EStG (laut BMF-Schreiben vom 10.05.2022):

  • Alle Supply-Zinsen sind zum Zeitpunkt des Zuflusses mit dem persönlichen Einkommensteuersatz zu versteuern
  • Es gilt eine Freigrenze von 256€ pro Jahr, kein Freibetrag! Werden 256€ überschritten, ist der gesamte Betrag steuerpflichtig
  • Die Bewertung erfolgt zum EUR-Kurs zum Zeitpunkt des Zuflusses

COMP-Token als Rewards

Erhaltene COMP-Token aus Liquidity Mining oder Governance-Incentives sind ebenfalls als Einkünfte aus sonstigen Leistungen steuerpflichtig, bewertet zum EUR-Kurs zum Zeitpunkt des Erhalts. Werden die COMP-Token anschließend länger als ein Jahr gehalten, sind spätere Kursgewinne steuerfrei (§23 EStG, 1-Jahres-Frist).

Wichtige Hinweise

  • Laut BMF-Schreiben vom 10.05.2022 führt DeFi-Lending nicht zur Verlängerung der Haltefrist auf 10 Jahre
  • Empfehlung: Alle Transaktionen mit einem Krypto-Steuer-Tool (CoinTracking, Blockpit, Accointing) dokumentieren
  • Bei größeren Beträgen einen auf Krypto spezialisierten Steuerberater konsultieren
  • Mehr Details im Steuer-Guide für Krypto-Zinsen

Hinweis: Dies ist keine Steuerberatung. Die steuerliche Behandlung kann sich ändern.


Schritt-für-Schritt: Auf Compound V3 lenden

1. Wallet vorbereiten

Du benötigst eine Web3-Wallet wie MetaMask, Rabby oder Coinbase Wallet. Stelle sicher, dass du das Basis-Asset (z.B. USDC) und etwas ETH für Gas-Gebühren auf der gewünschten Chain hast. Für Anfänger empfehlen wir den Start auf Base oder Arbitrum, niedrige Kosten bei guter Liquidität. Falls du noch keine Wallet hast, findest du Hilfe in unserem Krypto-Basics Guide.

2. Compound App aufrufen

Gehe auf compound.finance und klicke auf „Connect Wallet". Wähle deine Wallet und bestätige die Verbindung. Die Oberfläche zeigt dir alle verfügbaren Märkte mit aktuellen Zinssätzen.

3. Chain und Markt auswählen

Wähle im oberen Bereich die gewünschte Blockchain (z.B. Base für niedrige Gas-Kosten). Dann wähle den Markt: z.B. den USDC-Markt für Stablecoin-Lending. Du siehst den aktuellen Supply APY und die verfügbare Liquidität.

4. USDC einzahlen (Supply)

  1. Klicke auf „Supply" im gewählten Markt
  2. Gib den gewünschten Betrag ein
  3. Bei der ersten Nutzung: Bestätige die Token-Freigabe (Approve) in deiner Wallet
  4. Bestätige die Supply-Transaktion
  5. Deine Zinsen akkumulieren ab sofort automatisch

5. Zinsen verfolgen

Im Dashboard siehst du dein eingezahltes Guthaben und die aufgelaufenen Zinsen in Echtzeit. Die Zinsen werden automatisch dem Guthaben zugeschrieben, kein manuelles Claimen nötig. Du kannst jederzeit weiteres Kapital einzahlen oder abheben.

6. Abheben (Withdraw)

Wenn du dein Kapital zurückholen möchtest:

  1. Klicke auf „Withdraw" im Dashboard
  2. Gib den Betrag ein (oder „Max" für alles)
  3. Bestätige die Transaktion in deiner Wallet
  4. Dein Kapital plus aufgelaufene Zinsen wird an deine Wallet gesendet

Governance & COMP Token

Der COMP Token

Der COMP-Token (aktueller Kurs: ~€22,60, Mai 2026) ist das Governance-Token des Compound-Protokolls mit einer maximalen Supply von 10 Millionen Token. COMP dient ausschließlich der Governance, es gibt kein Staking oder Safety Module wie bei Aave.

COMP-Verteilungsschlüssel (Quelle: docs.compound.finance): Von den 10 Millionen Token gehen ca. 42,3% an Protokollnutzer via Liquidity Mining, 26,6% an Investoren (Shareholder), 22,4% an Gründer und aktuelles Team sowie 7,75% an zukünftige Mitarbeiter. Dieser vergleichsweise hohe Nutzer-Anteil (42%) unterscheidet Compound von späteren DeFi-Projekten, bei denen Insider-Allokationen oft 50%+ ausmachen.

COMP-Kursrisiko: a16z-Verkäufe (2025)

Anleger mit direktem COMP-Exposure sollten das Verkaufsrisiko durch Frühinvestoren kennen. Andreessen Horowitz (a16z), Lead-Investor der Series-A-Runde von Compound Finance (2019), baute seinen gesamten COMP-Bestand in 2025 schrittweise ab: zunächst 276.000 COMP via Coinbase Prime, danach weitere Batches von je 100.000 Token alle 24 Stunden. Insgesamt liquidierte a16z über 800.000 COMP im Wert von rund $35 Mio. in zwei Wochen. Heute hält a16z keinen COMP mehr im Portfolio (Quelle: CoinSpeaker). Solche strukturierten VC-Exits erzeugen erheblichen Verkaufsdruck und sind ein reales Kursrisiko für COMP-Holder.

Governance-Prozess

  1. Compound Forum: Diskussion und Feedback in der Community
  2. Governor Bravo: On-chain Governance-System
  3. Proposal: Mindestens 25.000 COMP zum Einreichen nötig, das entspricht 0,25% der maximalen Gesamtversorgung von 10 Millionen Token
  4. Voting Period: 3 Tage Abstimmungszeit
  5. Timelock: 2 Tage Wartezeit vor Ausführung

Compound war eines der ersten Protokolle mit vollständig On-Chain Governance, ein Modell, das von Hunderten anderen DeFi-Projekten übernommen wurde. Die Governor-Bravo-Architektur wurde zum De-facto-Standard für DAO-Governance im Ethereum-Ökosystem. Der niedrige Schwellenwert von 0,25% bedeutet: Ein einzelner Wallet-Inhaber mit ~$6.000 in COMP (Stand Mai 2026) kann theoretisch ein Governance-Proposal einreichen, das macht das System zugänglicher als z.B. MakerDAO, erfordert aber stärkere Vigilanz der Community gegenüber Low-Cost-Governance-Angriffen.

Compound Labs und die Zukunft

Hinter Compound steht Compound Labs, ein in San Francisco ansässiges Unternehmen, das die Hauptentwicklung vorantreibt. CEO Robert Leshner hat 2023 mit Superstate ein neues Unternehmen gegründet, das tokenisierte US-Treasuries anbietet, ein Zeichen für die wachsende Konvergenz von DeFi und traditioneller Finanzwelt.

Compound Foundation gegründet (Juni 2025): Im Juni 2025 verabschiedete die Compound DAO ein Governance-Proposal, um rund $9 Millionen in COMP-Token aus dem DAO-Treasury an eine neu gegründete Compound Foundation zu übertragen, eine gemeinnützige Organisation, die die Protokollentwicklung über 18 Monate koordinieren und die strukturelle Abhängigkeit von Compound Labs reduzieren soll. Beim damaligen COMP-Kurs von ~$17,20 (Juni 2025) entsprach das ca. 523.000 COMP, rund 5,2% der maximalen Gesamtversorgung von 10 Millionen Token; zum aktuellen Kurs von ~$24,56 (Mai 2026) entspricht dieses Paket rund $12,8 Mio. Damit verfügt die Foundation über Abstimmungsmacht für mehr als 20 Governance-Proposals (Minimum: 25.000 COMP je Proposal). (Compound Forum, Juni 2025)

Compound V2 offiziell abgekündigt (Dezember 2025): Im Dezember 2025 stimmte die Compound DAO mit nahezu einstimmiger Zustimmung für die Einstellung von Compound V2: Die DAO pausierte alle neuen Borrows und Mints und setzte die Reserve Factors aller V2-Assets auf 100%. Das bedeutet: Jeder verbleibende Zins aus noch offenen V2-Positionen fließt künftig vollständig in den DAO-Treasury, nicht mehr an Liquidity Provider. Bestehende Positionen können weiterhin abgezogen und zurückgezahlt werden. Nach über sechs Jahren Betrieb tritt V2 damit offiziell in den Wind-Down über, die gesamte Entwicklung konzentriert sich ausschließlich auf V3 (Comet). (Messari, Dezember 2025)

Gauntlet-Partnerschaft verlängert (September 2025): Die Compound DAO verlängerte ihre Risk-Management-Partnerschaft mit Gauntlet für ein weiteres Jahr (September 2025 – September 2026). Gauntlet weitete seine Abdeckung auf deutlich mehr Comet-Deployments aus, um das Multi-Chain-Wachstum des Protokolls zu begleiten und Kapitaleffizienz sowie Incentive-Spending zu optimieren. (Messari, September 2025)


Krypto-Zinsen Risiko-Rating

KriteriumGewichtScore (0–10)Details
Smart-Contract-Sicherheit25%8,03 Top-Tier-Audits (OpenZeppelin, Trail of Bits, ChainSecurity), kein direkter Hack in 6+ Jahren
Liquidität & TVL15%7,5$1,31 Mrd. TVL (Mai 2026), Top 10 Lending, stabil seit 2022
Track Record10%9,0Ältestes aktives DeFi-Lending-Protokoll, Betrieb seit 2018
Regulierung & Team15%6,5US-basiertes Team, Robert Leshner vollständig doxxed, aber SEC-Aufmerksamkeit
Hack-Historie20%8,0Kein Smart-Contract-Hack; COMP-Governance-Bug 2021 ohne Nutzerverlust
Governance & Dezentralisierung10%6,5On-Chain Governor Bravo, aber Compound Labs dominiert Entwicklung
Insurance / Safety5%5,5Kein Safety Module (unlike Aave), nur Protocol Reserves

Gesamt-Score: 7,5 / 10: Rating: A ⭐⭐⭐⭐

Compound V3 erhält von krypto-zinsen.com den Score 7,5/10 und das Rating A. Das Protokoll ist der verlässliche Veteran des DeFi-Lendings: nicht der innovativste, aber einer der bewährtesten. Stark in Sicherheit und Track Record, schwächer bei Governance-Qualität und Versicherungsmechanismen.


Kelly-Kriterium: Wie viel Compound V3 gehört ins Portfolio?

Das Kelly-Kriterium ist die mathematische Antwort auf die Frage, wie viel Kapital man in ein einzelnes Asset mit bekanntem Rendite/Risiko-Profil investieren sollte. Auf DeFi-Protokolle angewandt:

f* = (p × b − q) / b

  • p = Wahrscheinlichkeit kein Totalverlust (kein Hack) pro Jahr
  • q = Wahrscheinlichkeit Totalverlust durch Smart-Contract-Exploit (1 − p)
  • b = Supply APY (Gewinn pro eingesetzter Einheit)
  • f* = mathematisch optimaler Portfolioanteil

Berechnung für Compound V3 (Stand: Mai 2026, USDC auf Ethereum, 2,7% APY):

SzenarioHack-Wahrsch./JahrAPYKelly (voll)½ Kelly (Empfehlung)
Konservativ2,0%2,7%~31%~15%
Moderat1,0%2,7%~63%~30%
Optimistisch0,5%2,7%~83%~41%

Was bedeutet das? Bei konservativer Annahme (2% jährliches Hack-Risiko für ein Tier-1-Protokoll) empfiehlt ½ Kelly: maximal 15% des DeFi-Lending-Portfolios in Compound V3. Full Kelly ist in der Praxis zu aggressiv, DeFi-Protokolle sind nicht unkorreliert, ein systemischer Stress (Orakel-Manipulation, Layer-1-Fehler) trifft mehrere gleichzeitig.

Warum ½ Kelly? Kelly-Strategien gehen von einem einzigen, unkorrelierten Bet aus. In DeFi ist das nie der Fall. Die Hälfte des Kelly-Werts gilt als robuste Praxis in der quantitativen Finanzwelt, weil sie Drawdowns drastisch reduziert ohne viel Rendite zu opfern.

Historische Kalibrierung: Compound V3 (Comet) hat seit August 2022 keinen direkten Smart-Contract-Exploit erlitten. V2 war ebenfalls nie direkt gehackt. Das legt eher das moderate Szenario nahe, 1% Jahresrisiko für einen erfahrenen DeFi-Nutzer ist eine vertretbare Einschätzung.


Julian's Einschätzung: Für wen lohnt sich Compound V3?

Meiner Einschätzung nach ist Compound genau das, was es ist: der zuverlässigste DeFi-Lending-Baustein, den es gibt, aber nicht der ertragreichste.

Das Argument dafür: 6+ Jahre Betrieb, kein Smart-Contract-Hack, konservatives Design mit isolierten Märkten. Das Single-Asset-Modell von V3 ist architektonisch sauberer als Aaves Multi-Asset-Pool, wer Risiko-Isolation ernst nimmt, kommt an Compound nicht vorbei.

Das Argument dagegen: Die Zinsen. USDC auf Ethereum bei 2,7% APY liegt unter dem, was Morpho-Vaults oder optimiertes Aave-Borrowing erreichen können. Wer Rendite maximiert, muss woanders schauen.

Meine Empfehlung nach Anlegerprofil:

  • Einsteiger (< €5.000 im DeFi-Bereich): Compound auf Base oder Arbitrum als erster DeFi-Schritt. Niedrige Gas-Kosten, einfaches Interface, kein Lernrisiko durch exotische Features. Zur besten Krypto-App für den Einstieg →
  • Erfahrene Nutzer (€5.000–€50.000): 20–30% Compound im Lending-Portfolio als Stabilitätsanker. Rest auf Aave V3 und Morpho für bessere Raten.
  • Größere Positionen (>€50.000): Nur Ethereum-Deployment (tiefste Liquidität, $1,19 Mrd. TVL on-chain), nie >15% in einem einzelnen Protokoll. Kelly-Berechnung vor jeder Allokations-Entscheidung durchführen.

Compound ist kein Renditemaschine, es ist Infrastruktur. Wer Stablecoins langfristig mit bewährter Sicherheitsarchitektur einsetzen will, ohne jede Woche das Protokoll zu wechseln, findet hier einen verlässlichen Baustein.

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Aktuelle Yields

ChainAssetAPYTVL
EthereumWBTC0.00%$380.3M
EthereumWBTC0.00%$154.0M
EthereumWSTETH0.00%$145.8M
EthereumWETH0.00%$142.7M
EthereumWSTETH0.00%$90.4M
EthereumWETH0.00%$89.0M
EthereumWSTETH0.00%$65.0M
EthereumSFRAX0.00%$37.4M
EthereumUSDC3.73%$36.3M
EthereumUSDT3.12%$30.0M

Daten von DefiLlama • Stand: 30.8.2026

TW
Tobias WernerChefredakteur

Krypto-Analyst & Chefredakteur bei Krypto-Zinsen.com

Tobias analysiert seit 2018 Krypto-Märkte mit Fokus auf Staking, DeFi und regulatorische Entwicklungen im DACH-Raum. Er testet Plattformen selbst und schreibt ohne Bullshit.

Seit 2018100+ Artikel
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FAQ — Häufig gestellte Fragen

Was ist Compound Finance und wie funktioniert es?
Compound ist ein dezentrales Lending-Protokoll auf Ethereum und anderen Blockchains. Nutzer können Kryptowährungen einzahlen, um Zinsen zu verdienen, oder gegen hinterlegte Sicherheiten Kredite aufnehmen. Alles wird durch Smart Contracts automatisiert, ohne Bank oder Intermediär. Compound gilt als Erfinder des Liquidity-Pool-Modells, das heute DeFi-Standard ist.
Was ist der Unterschied zwischen Compound V2 und V3?
Compound V3 (Comet) verwendet ein Single-Asset-Markt-Modell: Jeder Markt hat ein Basis-Asset (z.B. USDC), und Collateral-Assets verdienen keine Zinsen mehr. Dafür bietet V3 bessere Risiko-Isolation, geringere Gas-Kosten und ein vereinfachtes Design. V2 erlaubte Zinsen auf alle Assets, war aber risikotechnisch weniger isoliert.
Ist Compound sicher?
Compound gehört zu den ältesten und am besten geprüften DeFi-Protokollen. Es wurde von OpenZeppelin, Trail of Bits und ChainSecurity auditiert und nie direkt gehackt. Der COMP-Token-Verteilungsfehler von 2021 betraf keine Nutzereinlagen. Ein Restrisiko bei Smart Contracts besteht immer.
Wie hoch sind die Zinsen auf Compound V3?
Stablecoin-Renditen liegen aktuell zwischen 2,4% und 3,6% APY je nach Chain und Asset (Stand: Mai 2026, Quelle: [DefiLlama](https://defillama.com/protocol/compound-v3)). USDC auf Ethereum bietet 2,7% APY, auf Base 3,3% APY. Die Zinssätze sind variabel und ändern sich mit der Marktnachfrage.
Compound oder Aave: Was ist besser?
Aave V3 bietet mehr Liquidität ($14 Mrd. vs. $1,3 Mrd.), mehr Chains (18 vs. 9) und mehr Features (Flash Loans, GHO, eMode). Compound punktet mit Einfachheit und Risiko-Isolation. Für die meisten Nutzer ist Aave die vielseitigere Option, aber Compound ist eine solide, bewährte Alternative.
Was ist der COMP Token?
COMP ist der Governance-Token von Compound mit einer [maximalen Supply von 10 Millionen Token](https://docs.compound.finance/governance/). Er wird aktuell bei rund [~€22,60](https://compound.finance/governance/comp) gehandelt (Mai 2026) und verleiht Stimmrechte über Protokollparameter. COMP hat keine Staking-Funktion und generiert keine direkten Erträge, sein Wert basiert auf dem Governance-Recht.
Wie werden Compound-Zinsen in Deutschland versteuert?
Zinserträge aus Compound-Lending sind als Einkünfte aus sonstigen Leistungen (§22 Nr. 3 EStG) steuerpflichtig. Es gilt eine Freigrenze von 256€/Jahr. COMP-Token-Rewards sind ebenfalls zum Zeitpunkt des Erhalts steuerpflichtig. DeFi-Lending verlängert laut BMF-Schreiben nicht die Haltefrist.
Auf welcher Chain sollte ich Compound nutzen?
Für größere Beträge empfiehlt sich Ethereum (höchste Liquidität mit $1,19 Mrd. TVL). Für kleinere Beträge bieten Base und Arbitrum deutlich niedrigere Gas-Kosten. Optimism bietet teilweise die höchsten Zinssätze, hat aber weniger Liquidität. Mehr zur Chain-Wahl findest du in unserem DeFi-Guide. **Nutzt du Compound V3 bereits, oder zögerst du noch wegen der niedrigeren Zinsen im Vergleich zu Aave? Schreib uns, welche Faktoren für deine Entscheidung ausschlaggebend sind, und lies unseren [umfassenden DeFi-Lending-Vergleich](/defi-lernen) für die nächsten Schritte.**

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Letzte Aktualisierung: Februar 2026. Alle Daten von DefiLlama und CoinGecko. Dies ist keine Finanzberatung.