Krypto Steuer 2026 — Der komplette Guide für Deutschland
Stand: Februar 2026
Du hast Kryptowährungen gekauft, getradet, gestakt oder in DeFi-Protokollen angelegt — und fragst dich jetzt: Muss ich Steuern zahlen? Wie viel? Und wann nicht? Dieser Guide ist die umfassendste Anleitung zu Krypto-Steuern im deutschsprachigen Raum. Wir erklären dir jedes steuerlich relevante Szenario — von einfachem Buy & Hold über Staking und Lending bis hin zu komplexem DeFi, NFTs und Mining. Mit Beispielrechnungen, konkreten Tipps und Tool-Empfehlungen.
Kryptowährungen sind in Deutschland nach §23 EStG als private Veräußerungsgeschäfte steuerpflichtig — aber dank der 1-Jahres-Haltefrist und der 1.000-€-Freigrenze können Krypto-Gewinne komplett steuerfrei sein, was Deutschland zu einem der krypto-freundlichsten Länder der Welt macht.
Disclaimer: Dieser Guide dient der allgemeinen Information und ersetzt keine steuerliche Beratung. Für individuelle Fragen konsultiere einen auf Kryptowährungen spezialisierten Steuerberater.
Inhaltsverzeichnis
- Grundlagen — §23 EStG
- Die 1-Jahres-Haltefrist
- Die 1.000-€-Freigrenze
- Trading-Steuern
- Staking-Steuern
- Lending-Steuern
- DeFi-Steuern
- NFT-Steuern
- Mining-Steuern
- Steuer-Tipps — Legal optimieren
- Steuer-Tools
- FAQ
1. Grundlagen — §23 EStG und wie Krypto besteuert wird
Die steuerliche Einordnung
Kryptowährungen wie Bitcoin, Ethereum, Solana und alle anderen Coins und Token gelten in Deutschland steuerlich als „andere Wirtschaftsgüter" im Sinne des §23 Abs. 1 Nr. 2 EStG. Das ist ein entscheidender Unterschied zu Aktien:
| Merkmal | Kryptowährungen | Aktien |
|---|---|---|
| Steuerliche Einordnung | Privates Veräußerungsgeschäft (§23 EStG) | Kapitalerträge (§20 EStG) |
| Steuersatz | Persönlicher Einkommensteuersatz (0–45 %) | Pauschal 25 % Abgeltungssteuer |
| Haltefrist | ✅ 1 Jahr → steuerfrei | ❌ Keine Haltefrist |
| Freigrenze | 1.000 € Freigrenze | 1.000 € Sparer-Pauschbetrag (Freibetrag!) |
| Verlustverrechnung | Mit anderen §23-Geschäften | Nur mit Kapitalerträgen |
Wann entsteht eine Steuerpflicht?
Eine Steuerpflicht entsteht bei:
- Verkauf von Krypto gegen Fiat (Euro, Dollar etc.) — innerhalb der 1-Jahres-Haltefrist
- Tausch von Krypto gegen Krypto — gilt als Verkauf + Neukauf
- Bezahlung mit Kryptowährungen — gilt als Verkauf
- Staking-Rewards — sonstige Einkünfte bei Zufluss
- Lending-Zinsen — sonstige Einkünfte bei Zufluss
- Mining-Erträge — je nach Umfang sonstige Einkünfte oder gewerblich
- Airdrops — sonstige Einkünfte bei Zufluss (wenn aktiv herbeigeführt)
Keine Steuerpflicht entsteht bei:
- Kauf von Krypto mit Fiat (nur Anschaffung)
- Transfer zwischen eigenen Wallets
- Halten (HODL) — solange du nicht verkaufst
- Verkauf nach 1 Jahr Haltefrist
- Gewinne unter 1.000 € Freigrenze (innerhalb der Haltefrist)
Das BMF-Schreiben vom 10.05.2022
Das Bundesministerium der Finanzen hat im Mai 2022 ein umfassendes Schreiben zur Besteuerung von Kryptowährungen veröffentlicht. Dieses Schreiben ist die wichtigste Orientierung für Finanzämter und Steuerpflichtige. Die Kernpunkte:
- Kryptowährungen sind „andere Wirtschaftsgüter" (§23 EStG)
- Die 1-Jahres-Haltefrist gilt
- Staking verlängert die Haltefrist NICHT (wichtigste Klarstellung!)
- Staking-/Mining-Rewards sind sonstige Einkünfte bei Zufluss
- FIFO ist die empfohlene Verbrauchsreihenfolge
2. Die 1-Jahres-Haltefrist
Die Haltefrist ist der wichtigste Steuervorteil für Krypto-Anleger in Deutschland.
Die Regel
Gewinne aus der Veräußerung von Kryptowährungen sind steuerfrei, wenn zwischen Kauf und Verkauf mehr als 1 Jahr liegt.
Beispiel
| Szenario | Haltedauer | Gewinn | Steuer |
|---|---|---|---|
| BTC Kauf 01.01.2025, Verkauf 15.12.2025 | 11,5 Monate | 20.000 € | Steuerpflichtig |
| BTC Kauf 01.01.2025, Verkauf 02.01.2026 | 12 Monate + 1 Tag | 20.000 € | Steuerfrei! |
| ETH Kauf 01.06.2024, Verkauf 01.02.2026 | 20 Monate | 50.000 € | Steuerfrei! |
FIFO-Berechnung
Wenn du denselben Coin zu verschiedenen Zeitpunkten gekauft hast, bestimmt die Verbrauchsfolgenmethode, welcher Kauf dem Verkauf zugeordnet wird. FIFO (First In, First Out) ist die Standardmethode: Die ältesten Coins werden zuerst verkauft.
Ausführliche Erklärung mit Beispielrechnungen: Krypto Haltefrist Guide →
3. Die 1.000-€-Freigrenze
Seit dem Jahressteuergesetz 2024 beträgt die Freigrenze für private Veräußerungsgeschäfte 1.000 € pro Kalenderjahr (vorher 600 €).
Freigrenze — nicht Freibetrag!
| Gewinn aus §23-Geschäften | Steuerpflicht |
|---|---|
| 999 € | Komplett steuerfrei |
| 1.000 € | Gesamter Betrag steuerpflichtig |
| 5.000 € | Gesamter Betrag steuerpflichtig |
Die 1.000 € gelten für alle privaten Veräußerungsgeschäfte im Kalenderjahr zusammen — Krypto, Kunst, Fremdwährungen etc.
4. Trading-Steuern — Kaufen, Verkaufen, Tauschen
Einfacher Kauf und Verkauf
Gewinn = Verkaufspreis − Anschaffungskosten − Gebühren
Die Anschaffungskosten umfassen den Kaufpreis plus Gebühren (Trading-Fees, Gasgebühren etc.).
Beispielrechnung
- Kauf: 1 BTC für 50.000 € + 50 € Gebühren = Anschaffungskosten 50.050 €
- Verkauf nach 6 Monaten: 1 BTC für 70.000 € - 70 € Gebühren = Erlös 69.930 €
- Gewinn: 69.930 € - 50.050 € = 19.880 €
- Haltefrist < 1 Jahr → steuerpflichtig
- Bei 42 % Grenzsteuersatz: ~8.350 € Steuern
Krypto-zu-Krypto-Tausch
Jeder Tausch von Krypto gegen Krypto ist ein steuerlich relevanter Vorgang:
- Die getauschte Kryptowährung wird „verkauft" (→ möglicher Gewinn/Verlust)
- Die erhaltene Kryptowährung wird „gekauft" (→ neue Haltefrist beginnt)
Beispiel:
- Kauf: 1 ETH für 3.000 €
- 3 Monate später: Tausch 1 ETH (Marktwert 4.000 €) gegen 10.000 ADA
- → Veräußerung des ETH: Gewinn 1.000 € (steuerpflichtig, da < 1 Jahr)
- → Anschaffung der ADA: Anschaffungskosten 4.000 € (neue Haltefrist beginnt)
Verluste nutzen
Verluste aus Krypto-Verkäufen (innerhalb der Haltefrist) können mit Gewinnen aus anderen privaten Veräußerungsgeschäften verrechnet werden. Nicht verrechnete Verluste können:
- Ins Vorjahr zurückgetragen werden (Verlustrücktrag)
- Ins Folgejahr vorgetragen werden (Verlustvortrag)
Tax-Loss-Harvesting: Wenn du Coins im Minus hältst und gleichzeitig andere Coins mit Gewinn verkaufen willst, verkaufe die Verlierer-Coins am selben Tag, um die Gewinne zu reduzieren. Die Verlierer-Coins kannst du danach sofort zurückkaufen (kein Wash-Sale-Verbot in Deutschland für §23-Geschäfte!).
5. Staking-Steuern
Staking-Rewards sind sonstige Einkünfte nach §22 Nr. 3 EStG.
Kernpunkte
| Aspekt | Regel |
|---|---|
| Steuerpflicht | Bei Zufluss (Marktwert in €) |
| Steuersatz | Persönlicher Einkommensteuersatz |
| Freigrenze | 256 € / Jahr (sonstige Einkünfte) |
| Haltefrist-Verlängerung | ❌ NEIN (BMF 2022) |
| Haltefrist der Rewards | 1 Jahr ab Zufluss |
Verschiedene Staking-Formen
| Form | Steuerliche Behandlung |
|---|---|
| Native Staking (ETH, SOL, ADA etc.) | Rewards = sonstige Einkünfte bei Zufluss |
| Exchange Staking (Coinbase, Kraken) | Gleich wie Native Staking |
| Liquid Staking (Lido/stETH — Rebasing) | Jede Bestandserhöhung = Zufluss |
| Liquid Staking (Rocket Pool/rETH — Accumulating) | Zufluss erst bei Tausch/Verkauf |
| DeFi Staking (Yield Farming) | Rewards = sonstige Einkünfte bei Zufluss |
Ausführlicher Guide: Staking Steuern →
6. Lending-Steuern
Beim Krypto-Lending verleihst du deine Coins und erhältst Zinsen. Die steuerliche Behandlung ist identisch zum Staking:
| Aspekt | Regel |
|---|---|
| Zinsen | Sonstige Einkünfte bei Zufluss (§22 Nr. 3 EStG) |
| Steuersatz | Persönlicher Einkommensteuersatz |
| Freigrenze | 256 € / Jahr (zusammen mit Staking!) |
| Haltefrist-Verlängerung | ❌ NEIN |
| Haltefrist für Zinsen | 1 Jahr ab Zufluss → dann steuerfrei verkaufbar |
CeFi vs. DeFi Lending
| Typ | Beispiele | Dokumentation |
|---|---|---|
| CeFi Lending | Nexo, BlockFi (insolvent), YouHodler | Einfach (Plattform liefert Daten) |
| DeFi Lending | Aave, Compound, MakerDAO | Komplexer (On-Chain-Analyse nötig) |
Beispielrechnung
- Du verleihst 10.000 USDC auf Aave für 6 Monate
- Jährliche Rendite: 4 %
- Erhaltene Zinsen: 200 USDC ≈ 200 € (USDC ≈ 1 €)
- Unter 256 € Freigrenze → steuerfrei!
7. DeFi-Steuern — Die komplexeste Kategorie
DeFi (Decentralized Finance) umfasst diverse Aktivitäten, die steuerlich unterschiedlich behandelt werden. Hier wird es komplex.
Liquidity Mining
Wenn du Liquidität in einem DEX-Pool bereitstellst (z. B. Uniswap):
- Einzahlung: Du tauschst Token gegen LP-Token → mögliche Veräußerung
- Fees: Trading-Gebühren, die du als LP verdienst → sonstige Einkünfte
- Farming-Rewards: Zusätzliche Token-Rewards → sonstige Einkünfte
- Entnahme: Du tauschst LP-Token zurück → mögliche Veräußerung
- Impermanent Loss: Verlust, der durch Preisveränderungen im Pool entsteht → steuerlich komplex
Yield Farming
Yield Farming kombiniert mehrere DeFi-Strategien. Jede Transaktion ist einzeln zu betrachten:
- Swap-Transaktionen → Veräußerung
- Einzahlung in Vault/Farm → mögliche Veräußerung
- Erhaltene Rewards → sonstige Einkünfte
- Claim-Transaktionen → mögliche Zufluss-Steuerpflicht
- Compound (Reinvestition) → neue Anschaffung
Token-Swaps auf DEXs
Jeder Token-Swap auf einem DEX (Uniswap, SushiSwap, Curve etc.) ist steuerlich ein Verkauf + Neukauf:
- Du „verkaufst" den ausgehenden Token (→ Gewinn/Verlust)
- Du „kaufst" den eingehenden Token (→ neue Anschaffungskosten + Haltefrist)
- Gasgebühren mindern den Gewinn
Bridges
Das Bridging von Token zwischen Chains (z. B. ETH von Ethereum nach Arbitrum) ist kein steuerpflichtiger Vorgang, solange du denselben Token erhältst. Es ist vergleichbar mit einem Transfer zwischen eigenen Wallets.
Airdrops
| Art | Steuerliche Behandlung |
|---|---|
| Passiver Airdrop (ohne eigenes Zutun) | Anschaffungskosten 0 €, Zufluss ggf. steuerpflichtig |
| Aktiver Airdrop (Task erfüllt, z. B. Testnet) | Sonstige Einkünfte bei Zufluss |
| Retroactive Airdrop (für frühere Protokoll-Nutzung) | Umstritten — tendenziell sonstige Einkünfte |
Empfehlung: Bei DeFi-Steuern ist ein Steuer-Tool und idealerweise ein Krypto-Steuerberater unverzichtbar.
8. NFT-Steuern
NFTs (Non-Fungible Tokens) werden steuerlich wie andere Kryptowährungen behandelt — als „andere Wirtschaftsgüter" nach §23 EStG.
Kauf und Verkauf
- Kauf: Anschaffungsvorgang (Anschaffungskosten = Kaufpreis + Gasgebühren + Plattformgebühren)
- Verkauf innerhalb 1 Jahr: Steuerpflichtiger Gewinn/Verlust
- Verkauf nach 1 Jahr: Steuerfrei
NFT-Minting
- Wenn du ein NFT mintest und dafür ETH zahlst, ist das ein Anschaffungsvorgang
- Anschaffungskosten = Mint-Preis + Gasgebühren
- Wenn du das NFT später verkaufst, gilt die normale Haltefrist
NFT-Royalties
Wenn du als Creator Royalties auf Sekundärverkäufe erhältst:
- Das sind sonstige Einkünfte oder sogar gewerbliche Einkünfte (je nach Umfang)
- Steuerpflichtig bei Zufluss
- Bei regelmäßiger NFT-Erstellung: Gefahr der Gewerblichkeit!
NFT-Tausch
Ein NFT gegen ein anderes NFT zu tauschen ist steuerlich ein Verkauf + Neukauf — wie bei Krypto-zu-Krypto-Tausch.
9. Mining-Steuern
Mining wird je nach Umfang unterschiedlich besteuert:
Privates Mining (Hobby)
| Aspekt | Regel |
|---|---|
| Ertrag | Sonstige Einkünfte bei Zufluss (§22 Nr. 3 EStG) |
| Steuersatz | Persönlicher Einkommensteuersatz |
| Freigrenze | 256 € / Jahr |
| Betriebskosten | Strom etc. als Werbungskosten absetzbar |
| Haltefrist für Coins | 1 Jahr ab Zufluss |
Gewerbliches Mining
Wenn du in größerem Umfang minest (z. B. eigenes Mining-Rig, regelmäßige Einnahmen), kann das Finanzamt eine gewerbliche Tätigkeit annehmen:
| Aspekt | Regel |
|---|---|
| Ertrag | Gewerbliche Einkünfte (§15 EStG) |
| Steuer | Einkommensteuer + Gewerbesteuer |
| Betriebsausgaben | Hardware, Strom, Miete etc. voll absetzbar |
| Haltefrist | ❌ KEINE 1-Jahres-Haltefrist (gewerbliches Betriebsvermögen!) |
| Umsatzsteuer | Grundsätzlich umsatzsteuerfrei (Mining gilt als „Leistung ohne bestimmbaren Empfänger") |
Wann ist Mining gewerblich?
Klare Kriterien gibt es nicht, aber Indikatoren für Gewerblichkeit sind:
- Regelmäßige, auf Dauer angelegte Tätigkeit
- Gewinnerzielungsabsicht
- Hohe Investitionen in Hardware
- Professionelle Infrastruktur (eigener Raum, Kühlung etc.)
Achtung: Gewerbliches Mining bedeutet, dass die 1-Jahres-Haltefrist NICHT gilt — jeder Verkauf ist steuerpflichtig, unabhängig von der Haltedauer!
10. Steuer-Tipps — Legal Steuern optimieren
Tipp 1: HODL — Die einfachste Strategie
Kaufe und halte mindestens 1 Jahr. Danach sind alle Gewinne steuerfrei. Das ist die einfachste und effektivste Steueroptimierung.
Tipp 2: Freigrenze ausschöpfen
Wenn du innerhalb der Haltefrist verkaufst, halte den Gesamtgewinn unter 1.000 €. Nutze die Freigrenze bewusst für kleine Gewinnmitnahmen.
Tipp 3: FIFO optimieren
Wenn du zu verschiedenen Zeitpunkten gekauft hast, prüfe, ob FIFO oder LIFO steuerlich günstiger ist. Wähle die Methode, die mehr steuerfreie Verkäufe ermöglicht (ältere Coins über der Haltefrist).
Tipp 4: Tax-Loss-Harvesting
Verkaufe Coins im Minus, um Gewinne zu reduzieren. In Deutschland gibt es kein Wash-Sale-Verbot für §23-Geschäfte — du kannst die Coins sofort zurückkaufen.
Tipp 5: 256-€-Freigrenze für Staking/Lending
Halte deine Staking- und Lending-Einkünfte unter 256 € pro Jahr. Bei kleinen Positionen ist das realistisch — und die Rewards sind dann komplett steuerfrei.
Tipp 6: Krypto ins Ausland mitnehmen?
Manche denken über einen Umzug in ein steuerfreundlicheres Land nach (z. B. Portugal, Dubai, Schweiz). Achtung: Es gibt eine Wegzugsbesteuerung und der Umzug muss echt sein (Lebensmittelpunkt verlagern!). Allein der Umzug reicht nicht — das Finanzamt prüft genau.
Tipp 7: Dokumentation von Anfang an
Starte ab dem ersten Kauf mit einem Steuer-Tool. Je früher du dokumentierst, desto weniger Arbeit hast du am Jahresende.
Tipp 8: Gasgebühren als Kosten ansetzen
Gasgebühren (auf Ethereum, Polygon, Arbitrum etc.) und Trading-Fees sind Werbungskosten bzw. mindern den steuerpflichtigen Gewinn. Dokumentiere sie sorgfältig.
11. Steuer-Tools — Software für die Steuererklärung
Ohne Tool wird es ab einer gewissen Anzahl von Transaktionen unmöglich, korrekte Steuerberichte zu erstellen. Hier die besten Optionen für DACH-Nutzer:
| Tool | Stärke | Preis (ab) | Link |
|---|---|---|---|
| CoinTracking | Umfassendster DeFi-Support, 110+ Börsen | Kostenlos (200 Tx) | cointracking.info |
| Blockpit | DACH-Steuerrecht, benutzerfreundlich | ~49 €/Jahr | blockpit.io |
| Accointing | Intuitivste Oberfläche, beste App | ~49 €/Jahr | accointing.com |
Ausführlicher Vergleich: Krypto Steuer-Tools im Vergleich →
Wann du zusätzlich einen Steuerberater brauchst
- Gewinne über 10.000 €
- Komplexe DeFi-Strategien
- Gewerbliche Mining-Tätigkeit
- Unsicherheit bei NFT-Royalties
- Grenzüberschreitende Sachverhalte (Umzug, ausländische Börsen)
12. In der Steuererklärung — Wo was eintragen?
Anlage SO (Sonstige Einkünfte)
| Was | Wo |
|---|---|
| Staking-Rewards | Anlage SO, Zeile für sonstige Einkünfte nach §22 Nr. 3 EStG |
| Lending-Zinsen | Anlage SO, gleiche Zeile |
| Mining-Erträge (privat) | Anlage SO, gleiche Zeile |
| Airdrops (aktiv) | Anlage SO, gleiche Zeile |
Anlage SO (Private Veräußerungsgeschäfte)
| Was | Wo |
|---|---|
| Krypto-Verkäufe (< 1 Jahr) | Anlage SO, Abschnitt „Private Veräußerungsgeschäfte" |
| Krypto-Tausch (< 1 Jahr) | Gleicher Abschnitt |
| NFT-Verkauf (< 1 Jahr) | Gleicher Abschnitt |
Was du NICHT eintragen musst
- Verkäufe nach 1 Jahr Haltefrist (steuerfrei → keine Angabe nötig, aber empfohlen zur Dokumentation)
- Transfers zwischen eigenen Wallets
- Reine Käufe
FAQ — Die 12 häufigsten Fragen zu Krypto-Steuern
Muss ich Krypto-Gewinne versteuern?
Ja, wenn du innerhalb der 1-Jahres-Haltefrist verkaufst und der Gewinn über der 1.000-€-Freigrenze liegt. Nach 1 Jahr sind Gewinne komplett steuerfrei.
Wie hoch sind Krypto-Steuern in Deutschland?
Krypto-Gewinne werden mit deinem persönlichen Einkommensteuersatz besteuert (14–45 % + Soli). Nicht mit der pauschalen 25 % Abgeltungssteuer.
Wann sind Krypto-Gewinne steuerfrei?
In zwei Fällen: (1) Nach 1 Jahr Haltefrist oder (2) wenn der Gesamtgewinn aus privaten Veräußerungsgeschäften im Kalenderjahr unter 1.000 € liegt.
Muss ich einen Krypto-zu-Krypto-Tausch versteuern?
Ja! Jeder Krypto-zu-Krypto-Tausch gilt steuerlich als Verkauf der einen und Kauf der anderen Kryptowährung. Wenn der „verkaufte" Coin innerhalb der Haltefrist liegt, ist der Gewinn steuerpflichtig.
Verlängert Staking die Haltefrist?
Nein. Das BMF hat 2022 klargestellt, dass Staking die Haltefrist nicht verlängert. Mehr dazu: Staking Steuern →
Was ist FIFO und warum ist es wichtig?
FIFO (First In, First Out) bestimmt, welche Coins als erstes verkauft werden — nämlich die ältesten. Das ist wichtig für die Haltefrist-Berechnung. Ausführlich: Haltefrist →
Muss ich Staking-Rewards versteuern, auch wenn ich nicht verkaufe?
Ja, Staking-Rewards sind bei Zufluss steuerpflichtig — unabhängig davon, ob du sie verkaufst. Staking Steuern →
Kann ich Krypto-Verluste steuerlich geltend machen?
Ja! Verluste aus Verkäufen innerhalb der Haltefrist können mit Gewinnen aus anderen privaten Veräußerungsgeschäften verrechnet werden. Verlustvortrag und -rücktrag sind möglich.
Welches Steuer-Tool ist das beste?
Für DeFi-Nutzer: CoinTracking. Für DACH-Fokus: Blockpit. Für Einsteiger: Accointing. Vergleich: Steuer-Tools →
Was passiert, wenn ich Krypto-Gewinne nicht angebe?
Steuerhinterziehung ist eine Straftat. Krypto-Transaktionen sind auf der Blockchain transparent und können nachverfolgt werden. Finanzämter in Deutschland bauen ihre Krypto-Kompetenz massiv aus. Gib deine Gewinne an — die Strafen für Steuerhinterziehung (bis 10 Jahre Freiheitsstrafe) stehen in keinem Verhältnis zur Steuerersparnis.
Gelten die Regeln auch für Österreich und die Schweiz?
Österreich: Seit März 2022 unterliegen Kryptos der KESt (27,5 %). Die 1-Jahres-Haltefrist gilt nur für Altbestände (Kauf vor 01.03.2021). Schweiz: Krypto-Gewinne sind für Privatanleger grundsätzlich als Vermögensgewinn steuerfrei (aber Vermögenssteuer auf den Bestand!).
Brauche ich einen Steuerberater?
Für einfaches Buy & Hold reicht ein Steuer-Tool. Bei komplexen DeFi-Aktivitäten, hohen Gewinnen oder gewerblichem Mining empfehlen wir dringend einen auf Krypto spezialisierten Steuerberater.
13. Krypto-Steuern in der Praxis — Häufige Szenarien
Szenario 1: Buy & Hold (HODL)
Situation: Du kaufst 1 BTC im Januar 2025 für 50.000 € und verkaufst ihn im März 2026 für 80.000 €.
Steuerliche Behandlung:
- Haltedauer: 14 Monate → über 1 Jahr → steuerfrei
- Gewinn: 30.000 € → 0 € Steuern
- Du musst den Verkauf trotzdem nicht in der Steuererklärung angeben, aber es empfiehlt sich zur Dokumentation
Empfehlung: Die einfachste und steuerlich beste Strategie. Kaufe und halte mindestens 1 Jahr.
Szenario 2: Aktiver Trader
Situation: Du machst 200 Trades pro Jahr auf verschiedenen Börsen, mit einer Mischung aus Gewinnen und Verlusten. Gesamtgewinn: 15.000 € (alle innerhalb der 1-Jahres-Haltefrist).
Steuerliche Behandlung:
- 15.000 € über der 1.000-€-Freigrenze → gesamter Betrag steuerpflichtig
- Bei 35 % Grenzsteuersatz: 15.000 € × 35 % = ~5.250 € Steuern
- Du kannst Verluste aus einzelnen Trades mit Gewinnen verrechnen
- Steuer-Tool ist hier absolute Pflicht
Empfehlung: Dokumentiere jeden Trade von Anfang an. Nutze Tax-Loss-Harvesting, um deine Steuerlast zu reduzieren.
Szenario 3: Sparplan + Staking
Situation: Du besparst monatlich 200 € in ETH und stakst das angesammelte ETH. Jährliche Staking-Rewards: 180 €.
Steuerliche Behandlung:
- Sparplan-Käufe: Jeder Kauf hat eigene Haltefrist. Nach 12 Monaten sind die ältesten Käufe steuerfrei verkaufbar.
- Staking-Rewards: 180 € pro Jahr → unter 256 € Freigrenze → steuerfrei!
- Die gestakten ETH: Haltefrist wird nicht verlängert
Empfehlung: Ideale Strategie für Einsteiger. Die meisten Sparplan-Nutzer mit moderaten Beträgen bleiben unter der 256-€-Freigrenze für Staking. Mehr dazu im Ethereum-Sparplan-Guide.
Szenario 4: DeFi Yield Farmer
Situation: Du stellst Liquidität auf Uniswap bereit, farmst Rewards auf verschiedenen Protokollen und nutzt Liquid Staking (stETH über Lido).
Steuerliche Behandlung:
- Jede Einzahlung in einen Liquidity Pool kann als Tausch gelten
- LP-Fees und Farming-Rewards: Sonstige Einkünfte bei Zufluss
- stETH Rebasing: Jede tägliche Bestandserhöhung = steuerpflichtiger Zufluss
- Hunderte oder tausende steuerrelevante Transaktionen pro Jahr
Empfehlung: Ohne CoinTracking oder ähnliches Steuer-Tool und einen Krypto-Steuerberater kommst du hier nicht aus. Die Dokumentation ist extrem aufwendig.
Szenario 5: NFT-Handel
Situation: Du hast 5 NFTs geminted (je 0,1 ETH), 3 davon nach 2 Monaten für je 0,5 ETH verkauft.
Steuerliche Behandlung:
- Anschaffungskosten pro NFT: 0,1 ETH × Kurs bei Mint + Gasgebühren
- Verkaufserlös pro NFT: 0,5 ETH × Kurs bei Verkauf
- Gewinn pro NFT: Verkaufserlös - Anschaffungskosten (alles in Euro)
- Haltedauer < 1 Jahr → steuerpflichtig
- Die 2 unverkauften NFTs: Haltefrist läuft weiter
Szenario 6: Airdrop erhalten
Situation: Du hast Uniswap genutzt und erhältst einen UNI-Airdrop von 400 Token.
Steuerliche Behandlung:
- Zufluss: 400 UNI × Kurs bei Zufluss = steuerpflichtiger Betrag (sonstige Einkünfte)
- Anschaffungskosten der UNI: Kurs bei Zufluss (für spätere Haltefrist-Berechnung)
- Haltefrist: 1 Jahr ab Zufluss-Datum
- Wenn du die UNI nach 1 Jahr verkaufst → Gewinn/Verlust steuerfrei
14. Krypto-Steuern international — DACH-Vergleich
Deutschland
| Aspekt | Regel |
|---|---|
| Grundlage | §23 EStG (privates Veräußerungsgeschäft) |
| Haltefrist | 1 Jahr → steuerfrei |
| Steuersatz | Persönlicher Einkommensteuersatz (0–45 %) |
| Freigrenze | 1.000 € (§23) / 256 € (§22 Nr. 3) |
| Staking | Sonstige Einkünfte bei Zufluss |
| Rating | ⭐⭐⭐⭐⭐ Sehr krypto-freundlich |
Österreich
| Aspekt | Regel |
|---|---|
| Grundlage | Seit März 2022: KESt auf Krypto |
| Haltefrist | ❌ Keine (für Neubestände ab 01.03.2021) |
| Steuersatz | 27,5 % KESt (pauschal) |
| Altbestände | Kauf vor 01.03.2021 → alte Regel (1 Jahr Haltefrist) gilt noch |
| Staking | KESt bei Zufluss oder Veräußerung |
| Rating | ⭐⭐⭐ Durchschnittlich |
Seit der österreichischen Steuerreform 2022 werden Kryptowährungen ähnlich wie Aktien besteuert — mit 27,5 % KESt. Der Vorteil der deutschen 1-Jahres-Haltefrist existiert in Österreich nicht mehr (außer für Altbestände).
Schweiz
| Aspekt | Regel |
|---|---|
| Grundlage | Vermögensgewinn (für Privatanleger steuerfrei) |
| Haltefrist | Keine nötig — Gewinne sind grundsätzlich steuerfrei |
| Vermögenssteuer | ✅ Ja — Krypto-Bestand muss als Vermögen deklariert werden |
| Gewerblichkeit | Bei „gewerbsmäßigem" Handel: Einkommenssteuer! |
| Staking | Einkommenssteuer auf Staking-Rewards |
| Rating | ⭐⭐⭐⭐⭐ Sehr krypto-freundlich (für HODLer) |
Die Schweiz ist für Buy-and-Hold-Investoren ein Steuerparadies — Krypto-Gewinne sind als private Vermögensgewinne steuerfrei. Allerdings musst du deinen Krypto-Bestand in der Steuererklärung als Vermögen angeben, und es fällt Vermögenssteuer an (kantonsabhängig, meist unter 1 %).
Achtung: Wer in der Schweiz aktiv tradet, kann als „gewerbsmäßiger Händler" eingestuft werden — dann werden Gewinne als Einkommen besteuert. Die Kriterien sind: Hohe Handelsfrequenz, Fremdfinanzierung, Derivate-Nutzung, Anteil am Gesamteinkommen.
15. Häufige Fehler bei Krypto-Steuern
Fehler 1: Krypto-zu-Krypto-Tausch ignorieren
Viele Anleger denken, nur der Verkauf gegen Euro ist steuerrelevant. Falsch! Jeder Tausch von Krypto gegen Krypto ist ein steuerlich relevanter Vorgang — auch ein Swap auf Uniswap, auch ein Tausch auf einem DEX.
Fehler 2: Staking-Rewards nicht dokumentieren
Staking-Rewards sind bei Zufluss steuerpflichtig — auch wenn du sie nicht verkaufst. Wer das nicht dokumentiert, hat am Jahresende ein Problem. Nutze ein Steuer-Tool ab dem ersten Reward.
Fehler 3: Transfers als Verkäufe buchen
Ein Transfer von deiner Börse auf dein Wallet ist kein Verkauf. Steuer-Tools erkennen das meist automatisch, aber prüfe bei manueller Buchung, dass Transfers korrekt kategorisiert sind.
Fehler 4: Gasgebühren nicht berücksichtigen
Gasgebühren und Trading-Fees sind abzugsfähig — sie reduzieren deinen steuerpflichtigen Gewinn. Vergiss nicht, sie zu dokumentieren.
Fehler 5: FIFO/LIFO-Methode wechseln
Du musst dich pro Wallet/Börse für eine Methode entscheiden und diese konsistent anwenden. Ein Wechsel zwischen FIFO und LIFO bei jedem Verkauf ist nicht zulässig.
Fehler 6: Freigrenze mit Freibetrag verwechseln
Die 1.000-€-Freigrenze ist KEINE Freibetrag! Bei 1.001 € Gewinn ist der gesamte Betrag steuerpflichtig, nicht nur der eine Euro darüber.
Fehler 7: Ausländische Börsen = unsichtbar für das Finanzamt
Falsch. Deutsche Finanzämter tauschen Informationen mit anderen Ländern aus (CRS — Common Reporting Standard). Außerdem sind Blockchain-Transaktionen öffentlich und können analysiert werden. Verschweige keine Gewinne.
Fehler 8: Steuererklärung komplett weglassen
Selbst wenn du denkst, alle Gewinne seien steuerfrei (z. B. wegen Haltefrist), dokumentiere deine Transaktionen. Das Finanzamt kann auch nach Jahren noch Nachweise verlangen (10 Jahre Aufbewahrungspflicht).
Zusammenfassung — Die wichtigsten Regeln auf einen Blick
| Regel | Details |
|---|---|
| 1-Jahres-Haltefrist | Nach 1 Jahr steuerfrei verkaufen |
| 1.000 € Freigrenze | Gesamtgewinn aus §23 unter 1.000 € → steuerfrei |
| 256 € Freigrenze | Staking/Lending-Einkünfte unter 256 € → steuerfrei |
| Staking ≠ Haltefrist-Verlängerung | Staken ohne Sorge |
| Krypto-zu-Krypto = Verkauf | Jeder Tausch ist steuerrelevant |
| Persönlicher Steuersatz | 14–45 % (nicht 25 % Abgeltungssteuer) |
| FIFO als Standard | Älteste Coins werden zuerst verkauft |
| Dokumentationspflicht | 10 Jahre Aufbewahrung |
| Steuer-Tool = Pflicht | Ab mehr als einer Handvoll Transaktionen |
Deutschland bietet mit der 1-Jahres-Haltefrist einen der größten Steuervorteile für Krypto-Anleger weltweit — wer strategisch vorgeht und seine Coins mindestens ein Jahr hält, zahlt auf Gewinne exakt null Euro Steuern.
16. Gewerbliche Krypto-Tätigkeit — Wann wirst du zum Unternehmer?
Wann wird Krypto gewerblich?
Nicht jeder Krypto-Nutzer ist Privatanleger. Das Finanzamt kann eine gewerbliche Tätigkeit feststellen, wenn bestimmte Kriterien erfüllt sind:
| Kriterium | Privat | Gewerblich |
|---|---|---|
| Handelsfrequenz | Gelegentlich | Täglich, hunderte Trades |
| Gewinnerzielungsabsicht | Langfristig (HODL) | Kurzfristig (Day Trading) |
| Fremdkapitaleinsatz | Nein | Ja (Margin, Leverage) |
| Professionelle Infrastruktur | Laptop + Börsen-App | Trading-Bots, Multi-Monitor, API-Systeme |
| Anteil am Einkommen | Nebeneinkünfte | Haupteinnahmequelle |
| Mining | Ein GPU als Hobby | Mining-Farm mit mehreren Geräten |
Konsequenzen der Gewerblichkeit
Wenn das Finanzamt gewerbliche Tätigkeit feststellt:
- Einkommensteuer auf alle Gewinne (persönlicher Steuersatz)
- Gewerbesteuer (kommunaler Hebesatz, typisch 14–17 %)
- Umsatzsteuer (ggf., abhängig vom Umsatz)
- KEINE 1-Jahres-Haltefrist — alle Verkäufe steuerpflichtig!
- Buchführungspflicht — Ordnungsgemäße Buchführung erforderlich
Die wegfallende Haltefrist ist der größte Nachteil — du verlierst den wichtigsten Steuervorteil für Krypto in Deutschland.
Wie vermeidest du eine gewerbliche Einstufung?
- Halte deine Handelsfrequenz moderat — Gelegentliches Trading ist privat
- Kein Fremdkapital — Vermeide Margin-Trading und Leverage
- Kein Bot-Trading — Automatisiertes Trading kann als professionell gelten
- Mining nur als Hobby — Kleines Setup, niedrige Investition
- Dokumentiere deine Motivation — „Langfristiger Vermögensaufbau" ist besser als „aktives Trading"
Im Zweifel: Konsultiere einen auf Krypto spezialisierten Steuerberater. Die Abgrenzung privat/gewerblich ist im Einzelfall zu prüfen.
17. Krypto und Erbschaft/Schenkung
Schenkung von Kryptowährungen
Wenn du Kryptowährungen verschenkst:
- Schenkungssteuer kann anfallen (abhängig von Verwandtschaftsgrad und Freibetrag)
- Freibeträge: 500.000 € (Ehepartner), 400.000 € (Kinder), 200.000 € (Enkel), 20.000 € (Sonstige) — alle 10 Jahre erneut
- Der Beschenkte übernimmt die Anschaffungsdaten des Schenkers (Kaufzeitpunkt, Kaufpreis)
- Die Haltefrist des Schenkers wird fortgeführt — der Beschenkte muss nicht von vorne anfangen
- Geschickter Einsatz: Verschenke Coins an Familienmitglieder mit niedrigerem Steuersatz
Erbschaft von Kryptowährungen
Bei Vererbung:
- Erbschaftssteuer kann anfallen (gleiche Freibeträge wie bei Schenkung)
- Der Erbe übernimmt den Buchwert (Anschaffungskosten des Erblassers)
- Die Haltefrist wird fortgeführt
- Praktisches Problem: Hat der Erblasser die Seed Phrase nicht hinterlassen, sind die Coins möglicherweise unzugänglich! → Nachlassplanung ist wichtig
Tipp: Krypto-Nachlassplanung
Stelle sicher, dass deine Erben Zugang zu deinen Kryptowährungen haben:
- Hinterlege die Seed Phrase in einem versiegelten Umschlag beim Notar
- Nutze ein multisig-Setup, bei dem mehrere Vertrauenspersonen zusammenwirken müssen
- Informiere eine Vertrauensperson über die Existenz deiner Krypto-Holdings
18. Checkliste — Krypto-Steuern richtig machen
Nutze diese Checkliste, um sicherzustellen, dass du steuerlich alles richtig machst:
Vor dem Trading/Investieren
- Steuer-Tool einrichten (CoinTracking, Blockpit oder Accointing)
- Alle Börsen und Wallets verbinden (API oder CSV-Import)
- Verbrauchsfolgenmethode festlegen (FIFO empfohlen)
- Seed Phrases und Wallet-Adressen dokumentieren
- Steuerberater kontaktieren (bei komplexen Portfolios)
Während des Jahres
- Jede neue Börse/Wallet sofort im Steuer-Tool importieren
- Staking- und Lending-Rewards werden automatisch getrackt (API)
- DeFi-Transaktionen regelmäßig prüfen (monatlich)
- Tax-Loss-Harvesting Opportunities identifizieren (vor Jahresende)
- Freibeträge im Blick behalten (1.000 € §23 / 256 € §22 Nr. 3)
Nach Jahresende
- Steuerbericht im Tool generieren (Land: DE, Methode: FIFO, Jahr: 2025)
- Bericht auf Plausibilität prüfen
- Gewinne und Einkünfte in Anlage SO eintragen
- Belege und Berichte 10 Jahre aufbewahren
- Nachzahlung einplanen (oder Erstattung freuen!)
Spezielle Situationen
- Bei DeFi-Nutzung: Alle Protokoll-Interaktionen dokumentiert?
- Bei NFT-Handel: Mint-Kosten und Verkaufserlöse erfasst?
- Bei Airdrops: Zufluss-Werte zum Erhaltsdatum notiert?
- Bei Mining: Strom- und Hardwarekosten als Werbungskosten?
- Bei Schenkung/Erbschaft: Steuerberater konsultiert?
Weiterführende Guides:
19. Glossar — Die wichtigsten Steuer-Begriffe
| Begriff | Erklärung |
|---|---|
| §23 EStG | Gesetzliche Grundlage für die Besteuerung privater Veräußerungsgeschäfte. Kryptowährungen fallen als „andere Wirtschaftsgüter" hierunter. |
| §22 Nr. 3 EStG | Gesetzliche Grundlage für sonstige Einkünfte. Staking-Rewards, Lending-Zinsen und Mining-Erträge fallen hierunter. |
| Privates Veräußerungsgeschäft | Steuerlicher Fachbegriff für den Verkauf von Wirtschaftsgütern (inkl. Krypto) innerhalb der Spekulationsfrist (1 Jahr). |
| FIFO (First In, First Out) | Verbrauchsfolgenmethode: Die zuerst gekauften Coins werden als erstes verkauft. Standard für die Haltefrist-Berechnung. |
| LIFO (Last In, First Out) | Alternative Verbrauchsfolgenmethode: Die zuletzt gekauften Coins werden als erstes verkauft. |
| Freigrenze | Betrag, bis zu dem Einkünfte steuerfrei sind. Bei Überschreitung wird der gesamte Betrag besteuert (anders als ein Freibetrag). |
| Freibetrag | Betrag, der von den Einkünften abgezogen wird. Nur der übersteigende Betrag wird besteuert. |
| Zufluss | Zeitpunkt, zu dem Coins in deinem Wallet/Account erscheinen. Bei Staking/Lending = Zeitpunkt der Steuerpflicht. |
| Anschaffungskosten | Kaufpreis + Gebühren. Basis für die Gewinnberechnung beim Verkauf. |
| BMF-Schreiben | Offizielles Schreiben des Bundesministeriums der Finanzen. Das Schreiben vom 10.05.2022 ist die Hauptreferenz für Krypto-Steuern. |
| KESt | Kapitalertragsteuer (Österreich). 27,5 % auf Krypto-Gewinne. |
| Abgeltungssteuer | Pauschalsteuer auf Kapitalerträge in Deutschland (25 % + Soli). Gilt für Krypto-ETFs, NICHT für direkten Krypto-Kauf. |
| Tax-Loss-Harvesting | Strategie, bei der Verlust-Positionen verkauft werden, um Gewinne steuerlich zu reduzieren. |
| Wash Sale | Verkauf mit Verlust und sofortiger Rückkauf. In Deutschland für §23-Geschäfte NICHT verboten (anders als in den USA). |
| Gewerblichkeit | Einstufung als gewerbliche Tätigkeit. Führt zu Gewerbesteuer und Verlust der 1-Jahres-Haltefrist. |
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Häufige Fragen (FAQ)
Muss ich Krypto-Gewinne versteuern?
Wie hoch sind Krypto-Steuern in Deutschland?
Wann sind Krypto-Gewinne steuerfrei?
Muss ich einen Krypto-zu-Krypto-Tausch versteuern?
Verlängert Staking die Haltefrist?
Was ist FIFO und warum ist es wichtig?
Muss ich Staking-Rewards versteuern, auch wenn ich nicht verkaufe?
Kann ich Krypto-Verluste steuerlich geltend machen?
Welches Steuer-Tool ist das beste?
Was passiert, wenn ich Krypto-Gewinne nicht angebe?
Gelten die Regeln auch für Österreich und die Schweiz?
Brauche ich einen Steuerberater?
Szenario 1: Buy & Hold (HODL)
Szenario 2: Aktiver Trader
Szenario 3: Sparplan + Staking
Szenario 4: DeFi Yield Farmer
Szenario 5: NFT-Handel
Szenario 6: Airdrop erhalten
Deutschland
Österreich
Schweiz
Fehler 1: Krypto-zu-Krypto-Tausch ignorieren
Fehler 2: Staking-Rewards nicht dokumentieren
Fehler 3: Transfers als Verkäufe buchen
Fehler 4: Gasgebühren nicht berücksichtigen
Fehler 5: FIFO/LIFO-Methode wechseln
Fehler 6: Freigrenze mit Freibetrag verwechseln
Fehler 7: Ausländische Börsen = unsichtbar für das Finanzamt
Fehler 8: Steuererklärung komplett weglassen
Wann wird Krypto gewerblich?
Konsequenzen der Gewerblichkeit
Wie vermeidest du eine gewerbliche Einstufung?
Schenkung von Kryptowährungen
Erbschaft von Kryptowährungen
Tipp: Krypto-Nachlassplanung
Vor dem Trading/Investieren
Während des Jahres
Nach Jahresende
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Letzte Aktualisierung: Februar 2026. Krypto-Zinsen.com bietet keine Finanzberatung.